Ausgewählte Reise- und Festbau-Zirkusse in Europa, Länder B-N


In dieser immer noch recht umfangreichen Liste haben wir im Grunde nur eine kleine Auswahl von Zirkussen in Europa verlinkt, die nach unserer Einschätzung und unserem Geschmack sehenswert sind. Es gibt in manchen Ländern diverse weitere (teils gute) Zirkusunternehmen, die aber nicht zuletzt wegen der häufigen Veränderungen in der Branche den Rahmen unserer Seite sprengen würden. Da die Zirkuskultur in den einzelnen Staaten sehr unterschiedlich ausgeprägt ist, sind einige Länder hier stärker vertreten, andere hingegen gar nicht. Sowohl die Länder (Bulgarien bis Norwegen) als auch die jeweils darunter verlinkten Zirkusse sind in streng alphabetischer Reihenfolge aufgelistet. Auf die Webseiten der Zirkusse gelangen sie durch Anklicken der Namen in roter Schrift.

An Ländern vertreten sind in Teil 1 der Liste momentan (in alphabetischer Reihenfolge):

Bulgarien - Dänemark - Finnland - Frankreich - Großbritannien - Irland - Italien - Niederlande - Norwegen


Bulgarien


Circus Balkanski

Цирк Балкански

Der Circus Balkanski geht außer in Bulgarien teilweise auch in anderen Ländern auf Tournee. Der Name Balkanski ist in der Zirkuswelt, insbesondere in Deutschland, durch die gleichnamige Schleuderbrettgruppe bekannt geworden, die im letzten Jahrhundert 14 Jahre lang im Circus Krone arbeitete, bei Zirkusfestivals auftrat und mit ihren Leistungen Rekorde aufstellte. Alexander Balkanski, ehemals Mitglied der Truppe, gründete im Jahr 2000 in seinem Heimatland den Zirkus, der wegen seiner dortigen Bedeutung auch als eine Art bulgarischer Nationalcircus betrachtet werden kann. Die klassischen Programme (Akrobaten, Clowns und wenige Tiere) sind mit internationalen Artisten besetzt. Die Informationen auf der Webseite sind teilweise auch auf Englisch verfügbar.


Dänemark


Cirkus Arena

Der Cirkus Arena ist derzeit wohl der größte reisende Zirkus Skandinaviens, nachdem von 2014 bis 2017 mehrere Großzirkusse in Dänemark, Schweden und Norwegen den Betrieb eingestellt haben. 1955 von Arne Victor Olsen (Künstlername: Berdino) gegründet, liegt die Leitung des Zirkus nach wie vor in der Hand der Gründerfamilie mit Senior-Chef Benny Berdino. Arena präsentiert ein reichhaltiges internationales Programm mit Akrobaten, Tieren, Clowns und einer Live-Kapelle. Meist werden einige hochkarätige Nummern (Preisträger) verpflichtet. Seit 2017 setzt man auf die Hinzunahme bekannter Medien-Gestalten aus Dänemark und auf eine Geschichte als roten Faden im Programm. Bei meinen Besuchen wurden die Programme eher zügig und "schnörkellos" abgewickelt, was sicher auch der schnellen Tourneeplanung (teils 1-Tages-Plätze) geschuldet war. Dadurch blieb zwar wenig Raum für atmosphärische Zwischentöne, angesichts des großen Programms fiel das aber nicht stark ins Gewicht.

Arena 2013


Zirkus Nemo 

Zu den originellen Adressen europäischer Zirkusse, die vom Mainstream abweichen und dennoch nicht für die Kunstform des sogenannten Neuen Circus stehen (wie etwa auch Giffords Circus in England, s.u.), gehört der 1999 gegründete Zirkus Nemo von Sören Östergaard, eines dänischen Filmschauspielers und Kabarettisten. Nemo bezeichnet sich auch als "Zirkus für Erwachsene" - wohl aufgrund des Zielpublikums für die vielseitige Comedy des Chefs, der als Verwandlungskünstler in wechselnden Rollen (mit Verkleidung) den roten Faden durch die Programme zieht. Ansonsten wirkt das Konzept nämlich jugendfreier als manch andere neue Zirkus-Idee (wie etwa Erotik-Shows). Es mag erstaunen, dass Zirkus Nemo auf seinen Plakaten (!) ebenso mit dem Slogan "Nicht ohne Tiere" wirbt, was in der Tat zutrifft, da in jedem Programm zumindest einige dressierte Kleintiere (teils ungewöhnliche wie Ratten oder Gänse) auftreten; selbst Seelöwen waren schon dabei. Das Spektakel spielt sich in intimer Atmosphäre im kleinen Zelt (580 Plätze) mit Rundbühne ab, auf der neben Östergaard und weiteren Komikern eine Reihe internationaler, teils hochkarätiger Artisten ihre akrobatischen Nummern zeigen. Das begeisterte Stammpublikum dankt es dem Zirkus, der auch nach außen ein schönes Erscheinungsbild abgibt.




Finnland


Sirkus Finlandia

Der 1976 gegründete Sirkus Finlandia der Familie Jernström ist einer der größten Zirkusse Skandinaviens und erfreut sich in Finnland großer Beliebtheit; dort wurden die Jernströms schon mit dem Nationalen Kunstpreis geehrt. Die Familie ist aktiv im Vorstand der European Circus Association (ECA). Auch wenn viele moderne Nummern integriert wurden und nur noch wenige Tiere auftreten (Pferde, Haustiere), bleibt man insgesamt dem klassischen Konzept einigermaßen treu, vor allem durch regelmäßig gezeigte Reiternummern. Die Programme bestreiten internationale Artisten, die Show wird von Live-Musik begleitet. Der Sirkus Finlandia legt jedes Jahr eine lange Tournee-Strecke zurück, mit traditionellen Gastspielen am Polarkreis (in der Mittsommernacht), in Lappland und Sept./Okt. in Helsinki. Sollte man dem Zirkus in Finnland begegnen, ist ein Besuch zu empfehlen.


Frankreich


Zu Frankreich vorweg eine allgemeine Information: Zur Herbstzeit wird der Großraum Paris jedes Jahr zu einer Hochburg der Zirkuskunst, da hier dann gleich mehrere große Zirkusse präsent sind, allein die Familie Bouglione (s. unten) mit mehreren Shows an verschiedenen Stellen. Frankreich ist insofern ein interessantes Zirkusland, weil hier einerseits neben Kanada eine Hochburg des sog. Noveau Cirque ("Neuen Circus") besteht, auf der anderen Seite aber auch der klassische Zirkus weiterhin in gutem Ansehen steht. 


Alexis Gruss

Der früher als französischer Nationalcircus firmierende Zirkus der traditionellen französischen Zirkusfamilie  Alexis Gruss (s. auch Arlette Gruss, unten) präsentiert hochklassige Programme mit Pferdedressuren und Artistik aus der eigenen Familie - sie ist v.a. für die Pferdedarbietungen seit langem bekannt (mit Höchstpreisen auf Festivals) - , aber auch mit Artisten aus dem Umfeld des Nouveau Cirque, der in Frankreich sehr starken Richtung des "Neuen Zirkus". Insofern vermag Alexis Gruss auf interessante Weise verschiedene Traditionen der Branche miteinander zu verbinden, die sich in anderen Ländern und Regionen teils konträr gegenüberstehen.


Cirque Arlette Gruss

Der Cirque Arlette Gruss (seit 1986) gehört einem Zweig der französischen Zirkusfamilie Gruss (s. auch Alexis Gruss, oben). Man reist seit längerem mit einer imposanten Zeltstadt und inszeniert die Programme meist in einem übergreifenden Kontext. Die Regie lehnt sich hierbei an Elemente des Cirque du Soleil an. Zeitgemäß zusammengestellt und mit moderner Technik unterstützt, werden hier die drei Säulen des klassischen Zirkus - Akrobaten, Tiere, Clowns - gepflegt. Die Shows sollen von einem hervorragenden Orchester begleitet sein. Der Besuch des Unternehmens ist auch bei weiterer Anfahrt zu empfehlen.


Cirque d'Hiver Bouglione

(Festbau und stationäre Zelte in Paris)

Der Winterzirkus (Hiver franz. = Winter) der Familie Bouglione - einer der bekanntesten Zirkusfamilien Europas - steht inzwischen für mehrere Shows, von denen drei in Paris gezeigt werden. Die neueren Bouglione-Produktionen laufen nur im Herbst (Nov./Dez.), die "Hauptshow" dagegen jedes Jahr von Oktober bis März im wunderschönen Pariser Festbau der Bougliones, der 1852 von Louis Déjean (im Beisein Napoleons III.) als Cirque Napoléon eröffnet und 1934 von den Brüdern Bouglione gekauft wurde. Dieser älteste noch existierende Zirkusbau der Welt diente u.a. als Originalkulisse für den US-Spielfilm Trapez mit Burt Lancaster. Die Bougliones zeigen hier klassischen Zirkus mit Tieren, Clowns und Akrobaten, einem großen Orchester und Ballett. Gelobt wird zudem die gute Lichtregie, die im eindrucksvollen Innenraum mit seinen steilen Rängen toll zur Geltung kommt. Der Zirkusbau atmet Geschichte, er enthält auch ein Privatmuseum mit historischen Ausstellungsstücken. Im Sommer wird das Gebäude für andere Veranstaltungen vermietet (wie der Bau des Circus Krone in München).


Cirque Falck

Die französische Zirkusfamilie Falck ist schon lange im Geschäft und reiste unter verschiedenen Firmennamen (bis 2017 längere Zeit unter dem Namen Amar), seit 2018 aber wieder mit dem eigenen Familiennamen. Der Zirkus präsentiert ansprechende klassische Komplett-Programme (Tiere, Akrobaten, Clowns) mit mittelgroßem Ensemble, das sich aus hauseigenen Kräften und hinzuengagierten Artisten mischt. Seit 2018 werden die Shows nach einem bestimmten Motto gestaltet. Live-Musik gibt es meines Wissens nicht.


Großbritannien 


Es waren englische Kunstreiter, die 1768 den neuzeitlichen Zirkus ins Leben riefen. Gemessen an dieser historischen Bedeutung ist die Zirkuslandschaft in Großbritannien heute recht dünn geworden. Zirkusse mit Tieren - zumindest mit exotischen - gibt es so gut wie gar nicht mehr, weil die Tierrechtler im Inselstaat eine starke Lobby haben und teilweise aggressiv gegen Zirkusse vorgegangen sind.


Blackpool Tower Circus

(Zirkusbau in Blackpool)

An der britischen Westküste zur Irischen See liegt der Badeort Blackpool mit seinem markanten, weithin sichtbaren Wahrzeichen, dem Blackpool Tower (eröffnet 1894), einem 158 m hohen Stahlturm im Stil des Eiffelturms. Am Fuße des Turms befindet sich ein Veranstaltungskomplex, dessen Kern ein recht eindrucksvoller Zirkusbau (2050 Plätze) aus dem Eröffnungsjahr bildet. Er gehört zu den wenigen historischen Zirkusgebäuden weltweit, die bis heute erhalten sind. Seit 1894 laufen hier kontinuierlich Zirkusshows, seit 1990 ohne Tiere. Seit 1992 wird der Zirkus von der ungarisch-britischen Zirkusfamilie Endresz geführt. Zwei männliche Mitglieder der Familie werben als Clowns für die Programme; sie treten dort neben internationalen Artisten auf. Es spielt ein Live-Orchester. Zum Finale wird die Manege mittels eines hydraulischen Systems traditionell in ein Wasserbassin mit Fontänen verwandelt. - Die Internet-Rubrik des Zirkus findet sich auf der Webseite des Towers. Oft laufen nur tagsüber Vorstellungen, in einigen Saisonzeiten auch abends.


Giffords Circus

Eine besondere Adresse unter den britischen Zirkussen ist der 2000 von Nell Gifford und ihrem damaligen Mann Toti (beide ursprünglich von privat) gegründete Giffords CircusFuhrpark und Zelt dieses hochprofessionell geführten Zirkus sind bis ins Detail stilvoll und nostalgisch gestaltet. Die Programme werden jedes Jahr nach einem bestimmten Motto inszeniert, mit eigens dafür bestellten Kostümen und komponierter Musik. Eine hochkarätige Band spielt Variationen über Jazz, Klassik und Folklore. In der Manege treten leistungsstarke Artisten auf, auch einige hochwertige Dressuren mit Pferden und Kleintieren gehören traditionell dazu. Nach der Show kann man im benachbarten Zelt ein Qualitätsmenü genießen. - Übrigens reiste Giffords Circus vor Jahren mit einem lichtdurchlässigen 2-Masten-Zelt aus Baumwolle (Fassungsvermögen damals: ca. 360 Zuschauer), was auch eine starke Hommage an frühere Zeiten war.


Hippodrome Great Yarmouth

(Zirkusbau in Great Yarmouth)

Sozusagen das Gegenstück zum Zirkusbau in Blackpool (s. oben) ist das 1903 vom Zirkusmann George Gilbert erbaute Hippodrom im Badeort Great Yarmouth an der britischen Ostküste. An der dortigen Vergnügungsmeile liegt der historische Zirkusbau (900 Sitzplätze), seit 1979 im Besitz und unter der Leitung der Familie Peter Jay. Wie in Blackpool führen auch hier die Junioren der Familie als Clowns und Werbeträger durch das internationale Artisten-Programm, und ebenso lässt sich auch im Hippodrom die Manege für einen Programmteil in ein Wasserbecken verwandeln, was in Great Yarmouth wohl intensiver genutzt wird. Ein Live-Orchester gibt es hingegen nicht. - Im Bau des Hippodroms befindet sich außerdem ein Zirkus-museum.


Zippos Circus

Der als Clown Zippo seit den 1970er Jahren bekannte Martin Burton leitet seit 1986 seinen eigenen Zirkus. Das recht erfolgreiche Unternehmen legt weite Reisedistanzen auf der britischen Insel zurück und bietet eine Mischung aus klassischem Zirkus und innovativen Darbietungen, z.T. aus eigener Kreation. Das Ganze wird dargeboten von einem Ensemle recht starker internationaler Artisten. Live-Musik gibt es seit längerem nicht mehr. Kultstatus hat der international bekannte Ringmaster Norman Barret (Jahrgang 1935), der neben der Moderation der Shows immer noch seine beliebte Dressur mit Wellensittichen präsentiert. Obwohl außer den Klein-Papageien und ein paar Pferden (großzügig gehalten) keine Tiere mehr auftreten, hat es groteskerweise selbst vor Zippos Circus schon Demos von Tierrechtlern gegeben. - In den Wintermonaten verweist die Webseite auf den von Zippos Circus präsentierten Weihnachtscircus. 


Irland


Fossett's Circus, Ireland's National Circus

Fossett's Circus habe ich v.a. deshalb hier verlinkt, weil er einer der ältesten reisenden Zirkusse Europas ist. Auf der Webseite lässt sich die Historie nachlesen: Seit der Gründung 1888 ist der Zirkus in der Hand der gleichen Familie (eine Tochter des Gründers Powell heiratete den ersten Fossett). Schon lange wirbt das Unternehmen als "Irischer Nationalcircus". Dabei ist das Programm, gerade seit dem Verzicht auf Tiere (der Druck von Tierrechtlern ist in Irland stark), nicht besonders üppig besetzt; es werden aber immer einige Artisten hinzuengagiert. Die Musik kommt inzwischen vom Tonträger. Seit 2006 präsentiert Fossett's einen Weihnachtscircus in Dublin - den ersten in Irland überhaupt.


Tom Duffy's Circus

Tom Duffy's Circus ist etwas größer als Fossett's Circus (s. oben) und dürfte somit der größte reisende Zirkus Irlands sein. Unter den engagierten internationalen Artisten sind teilweise Truppen, auch zeigt der Zirkus nach wie vor Tierdressuren mit Pferden und Hunden. Das Todesrad der Duffy-Brüder wurde schon in Weihnachtszirkussen auf dem europäischen Kontinent gebucht. Ein Orchester ist anscheinend nicht mehr dabei. In Web-Videos wirken die Shows aber durchaus atmosphärisch.


Italien


Obwohl in Italien kaum mehr Großzirkusse reisen, hat der Zirkus dort eine lange Tradition mit vielen großen Artistenfamilien. Bis heute werden Zirkusse in gewissem Umfang mit staatlichen Geldern unterstützt. Die Zirkustradition hat indes einige Berührungspunkte mit anderen italienischen Kunstformen. So flocht etwa der Regisseur Federico Fellini in seine Filme der 1950er-70er Jahre öfter Zirkusthemen ein. Italienische Musik - ob aus Oper, Volkslied oder Film - findet man häufig im musikalischen Repertoire von Zirkusorchestern weltweit, so beispielsweise die unvergessenen Melodien der Film-Soundtracks von Fellinis "Hauskomponist" Nino Rota.


American Circus

Seit Jahrzehnten reist die angesehene und weit verbreitete italienische Zirkusfamilie Togni immer wieder mit einem Unternehmen namens "American Circus" durchs Land, teils auch durch andere Länder Europas. Aktuell ist man dem Namen entsprechend wieder mit einem 3-Manegen-Konzept auf Tour, die zu einer ovalen "Rennbahn" zusammengelegt werden können. Berühmt sind die hochwertigen Tier-dressuren des Hauses, insbesondere von Senior-Chef Flavio Togni, die mehrfach in Monte Carlos ausgezeichnet wurden. Nach wie vor präsentiert der Zirkus die klassische Triade aus Pferden, Elefanten und Raubtieren, darunter eine der größten verbliebenen Elefantenherden der Welt. Engagierte und hauseigene Artisten und Clowns komplettieren das Programm.  


Circo Medrano

(Tourneen teilw. in anderen Ländern)

Der Circo Medrano der Familie Casartelli gehörte mit seinen Programmen jahrelang zu den größten und vollkommensten Zirkussen Italiens - jedoch Achtung: die Programmhinweise auf der Webseite sind nicht immer aktuell, Aussagen über die Qualität der Shows daher nur bedingt möglich! 2007 gewann die Familie mit den eigenen, hochwertigen Tierdressuren - Pferde, Reiterei, Exoten, Elefanten - den Goldenen Clown beim Circusfestival in Monte-Carlo. Man legt hier viel Wert auf Kostüm und Ausstattung, so ist das Zeltinnere prachtvoll gestaltet. Das Programm wird von einem Live-Orchester begleitet. Für jede Tournee werden internationale Artisten hinzuengagiert, in Großstädten wird das Programm manchmal zusätzlich aufgestockt. In den letzten Jahren war der Zirkus häufig in osteuropäischen Ländern auf Tournee. - Der Name Medrano spielte früher vor allem in Frankreich eine wichtige Rolle, wo heute ebenfalls noch ein Unternehmen unter diesem Namen reist.


Niederlande 


Eine Information vorweg: Großzirkusse reisen in den Niederlanden seit 2015 nicht mehr. Wie in Deutschland boomen hier jedoch die Weihnachtszirkusse, die wir im Menü links unter Weihnachtszirkusse Nachbarländer verlinkt haben. 2015 trat ein Gesetz zum Verbot "wilder" Tiere in reisenden Zirkussen in Kraft. Damit verbunden war eine Positivliste, nach der das Mitführen diverser Haustiere (z.B. Pferde, Rinder, aber auch Kamele und Lamas) weiterhin erlaubt ist. Kleinere und mittelgroße Unternehmen bieten aber weiterhin ansprechenden klassischen Zirkus, wie die unten stehende Auflistung zeigt.


Circus Sijm

Seit in den Niederlanden kein Großzirkus mehr reist, ist der Circus Sijm, der 2000 von Alexander Sijm (ursprünglich nicht vom Zirkus) gegründet wurde, die Vorzeige-Adresse unter den Zeltzirkussen. Das Unternehmen will den Radius seiner Tournee künftig ausdehnen, nachdem man jahrelang nur in der Provinz Noord-Holland gereist ist. Das erstaunliche bei Sijm: Hier wird im kleinen 2-Masten-Zelt (400 Plätze) in persönlicher Atmosphäre guter klassischer Zirkus mit tollen Kostümen und einigen international bekannten Artisten geboten! Außerdem treten Clowns mit musikalischem Talent und wenige, mit Pferden aber typische Tierdressuren auf. 2016 erhielt das Unternehmen den staatlichen Kultur-Award. Ein Besuch lohnt sich. - Der Circus Sijm veranstaltet auch einen alljährlichen Wintercircus am Strand des Ortes Heerhugowaard nördlich von Amsterdam. Außerdem schickt Sijm seit 2016 ein zweites Geschäft (!) als Circus Alexander auf Tour, der ausschließlich spezielle Gala-Vorstellungen gibt, und zwar vornehmlich für Altenheime. Das Projekt wird auf der hier verlinkten Sijm-Webseite mit vorgestellt.


Niederlande Extra:  deutsche Familienzirkusse


Circus Freiwald

Circus Maximum (C. Belly Wien)

Circus Renz Berlin (zzt, nur auf Facebook)

Circus Renz International

Der Name Renz hat in den Niederlanden seit langem einen guten Ruf. Dort reiste z.B. der Großzirkus Hermann Renz als "Niederländischer Nationalcircus", bevor er 2015 wegen Steuerschulden von den Behörden aufgelöst wurde. Seit vielen Jahren sind die deutschen Familienzirkusse der Brüder Bernhard Renz (Renz Berlin) und Franz Renz (Renz International) überwiegend in den Niederlanden unterwegs, beide aus einem früher gemeinsamen Zirkus hervorgegangen und mit recht großem Zelt und Fuhrpark auf Tour. Beide Renz-Zirkusse setzen mit einem breitgefächerten Nummernrepertoire auf Tradition mit Tieren (v.a. Pferden), Clowns und Akrobaten; die Nummern werden überwiegend von den vielseitig talentierten Familien selbst dargeboten. Übrigens berufen sich sämtliche Renz-Unternehmen (in Deutschland reisen weitere) bzgl. ihrer Stammlinie gerne auf den berühmten Berliner Zirkus von Ernst Jakob Renz, der im 19. Jahrhundert Weltruhm genoss. Ob wirklich Verbindungen zu heutigen Renz-Familien bestehen, ließe sich nur mit Hilfe von Namensregistern oder Zirkushistorikern nachprüfen. -  Außerdem reisen die Familie Freiwald sowie der Circus Maximum der Familie Roman Zinnecker (deutscher Circus Belly Wien) zumindest zeitweise in den Niederlanden. Circus Freiwald setzt auf ein ähnliches Traditionskonzept wie Renz, zu Maximum fehlen mir bislang nähre Informationen. - Nach dem niederländischen Wildtierverbot 2015 mussten die Renzens und Freiwalds ihre Elefanten in die Stammquartiere nach Deutschland bringen, was zwei Tieren nicht bekommen war (Krankheit und Tod). Der Elefant der Familie Freiwald darf mit Ausnahmegenehmigung wieder mitreisen, aber hat trotz Fürsprache aus der Bevölkerung Auftrittsverbot und lebt hinter den Kulissen. 


Norwegen


Cirkus Arnardo

Der Cirkus Arnardo ist nach seiner Inhaber-Familie benannt und reist seit 1949 durch Norwegen. In 4. Generation repräsentiert der mustergültige Betrieb den familiär geführten Reisezirkus der gehobenen Art. In den klassischen Programmen mit Akrobaten, Clowns und (mittlerweile nur noch wenigen) Tieren treten neben Familienmitgliedern einige internationale, teils bekannte Artisten auf. Die Show wird begleitet von einem guten Live-Orchester. Seit 2015 ist Arnardo der einzige größere Tourneezirkus in Norwegen.