Ausgewählte Reise- und Festbau-Zirkusse in Europa


In dieser immer noch recht umfangreichen Liste haben wir im Grunde nur eine kleine Auswahl von Zirkussen in Europa verlinkt, die nach unserer Einschätzung und unserem Geschmack sehenswert sind. Es gibt in den einzelnen Ländern natürlich diverse weitere (auch gute) Zirkusunternehmen, die aber nicht zuletzt wegen der häufigen Veränderungen in der Branche den Rahmen unserer hobbymäßig betreuten Seite sprengen würden. Da die Zirkuskultur in den einzelnen Staaten sehr unterschiedlich ausgeprägt ist, sind einige Länder hier stärker vertreten, andere hingegen gar nicht. Sowohl die Länder (von Bulgarien bis Ungarn) als auch die jeweils darunter verlinkten Zirkusse sind in streng alphabetischer Reihenfolge aufgelistet. Auf die Webseiten der Zirkusse gelangen sie durch Anklicken der Namen in roter Schrift.

An Ländern vertreten sind momentan in alphabetischer Reihenfolge:

Bulgarien - Dänemark - Finnland - Frankreich - Großbritannien - Irland - Italien - Niederlande - Norwegen - Österreich - Polen - Schweden - Schweiz - Spanien - Tschechien - Ungarn


Bulgarien


Circus Balkanski

Цирк Балкански

Der Circus Balkanski geht außer in Bulgarien teilweise auch in anderen Ländern auf Tournee. Der Name Balkanski ist in der Zirkuswelt, insbesondere in Deutschland, durch die gleichnamige Schleuderbrettgruppe bekannt geworden, die im letzten Jahrhundert 14 Jahre lang im Circus Krone arbeitete, bei Zirkusfestivals auftrat und mit ihren Leistungen Rekorde aufstellte. Alexander Balkanski, ehemals Mitglied der Truppe, gründete im Jahr 2000 in seinem Heimatland den Zirkus, der wegen seiner dortigen Bedeutung auch als eine Art bulgarischer Nationalcircus betrachtet werden kann. Die klassischen Programme (Akrobaten, Clowns und wenige Tiere) sind mit internationalen Artisten besetzt. Die Informationen auf der Webseite sind teilweise auch auf Englisch verfügbar.


Dänemark


Cirkus Arena

Der Cirkus Arena ist derzeit wohl der größte reisende Zirkus Skandinaviens, nachdem von 2014 bis 2017 mehrere Großzirkusse in Dänemark, Schweden und Norwegen den Betrieb eingestellt haben. 1955 von Arne Victor Olsen (Künstlername: Berdino) gegründet, liegt die Leitung des Zirkus nach wie vor in der Hand der Gründerfamilie mit Senior-Chef Benny Berdino. Arena präsentiert ein reichhaltiges internationales Programm mit Akrobaten, Tieren, Clowns und einer Live-Kapelle. Meist werden einige hochkarätige Nummern (Preisträger) verpflichtet. Seit 2017 setzt man auf die Hinzunahme bekannter Medien-Gestalten aus Dänemark und auf eine Geschichte als roten Faden im Programm. Bei meinen Besuchen wurden die Programme eher zügig und "schnörkellos" abgewickelt, was sicher auch der schnellen Tourneeplanung (teils 1-Tages-Plätze) geschuldet war. Dadurch blieb zwar wenig Raum für atmosphärische Zwischentöne, angesichts des großen Programms fiel das aber nicht stark ins Gewicht.

Arena 2013


Cirkus Trapez

2016 gründete Isabella Enoch Sosman aus der traditionellen dänischen Zirkusfamilie Enoch gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Bernhard Kaselowsky (ebenfalls altbekannter Zirkusmann) ihren Cirkus Trapez, auf den bisher das Motiv "klein aber fein" sehr gut zutrifft. Im relativ gemütlichen Zelt wird hier liebevoller klassischer Zirkus zelebriert. Neben hauseigenen Kräften treten einige hinzuengagierte Clowns und Artisten auf, darunter vertraute Namen aus Dänemark/Skandinavien. Neben den Pferde- und Haustierdressuren präsentiert man noch einen Elefanten, der seit seiner Kindheit bei B. Kaselowsky ist und dort aus Gründen des Bestandsschutzes wohl auch verbleiben darf (trotz des angekündigten Verbots von Zirkuselefanten in Dänemark; Raubtiere sind in ganz Skandinavien übrigens schon lange verboten). Besonderes Qualitätsmerkmal skandinavischer Zirkusse ist die Live-Musik; so führt auch der Cirkus Trapez immerhin 3 versierte Musiker mit! Atmosphäre ist hier garantiert.  




Zirkus Nemo 

Zu den originellen Adressen europäischer Zirkusse, die vom Mainstream abweichen und dennoch nicht für die Kunstform des sogenannten Neuen Circus stehen (wie etwa auch Giffords Circus in England, s.u.), gehört der 1999 gegründete Zirkus Nemo von Sören Östergaard, eines dänischen Filmschauspielers und Kabarettisten. Nemo bezeichnet sich auch als "Zirkus für Erwachsene" - wohl aufgrund des Zielpublikums für die vielseitige Comedy des Chefs, der als Verwandlungskünstler in wechselnden Rollen (mit Verkleidung) den roten Faden durch die Programme zieht. Ansonsten wirkt das Konzept nämlich jugendfreier als manch andere neue Zirkus-Idee (wie etwa Erotik-Shows). Es mag erstaunen, dass Zirkus Nemo auf seinen Plakaten (!) ebenso mit dem Slogan "Nicht ohne Tiere" wirbt, was in der Tat zutrifft, da in jedem Programm zumindest einige dressierte Kleintiere (teils ungewöhnliche wie Ratten oder Gänse) auftreten; selbst Seelöwen waren schon dabei. Das Spektakel spielt sich in intimer Atmosphäre im kleinen Zelt (580 Plätze) mit Rundbühne ab, auf der neben Östergaard und weiteren Komikern eine Reihe internationaler, teils hochkarätiger Artisten ihre akrobatischen Nummern zeigen. Das begeisterte Stammpublikum dankt es dem Zirkus, der auch nach außen ein schönes Erscheinungsbild abgibt.




Finnland


Sirkus Finlandia

Der 1976 gegründete Sirkus Finlandia der Familie Jernström ist einer der größten Zirkusse Skandinaviens und erfreut sich in Finnland großer Beliebtheit; dort wurden die Jernströms schon mit dem Nationalen Kunstpreis geehrt. Die Familie ist aktiv im Vorstand der European Circus Association (ECA). Auch wenn viele moderne Nummern integriert wurden und nur noch wenige Tiere auftreten (Pferde, Haustiere), bleibt man insgesamt dem klassischen Konzept einigermaßen treu, vor allem durch regelmäßig gezeigte Reiternummern. Die Programme bestreiten internationale Artisten, die Show wird von Live-Musik begleitet. Der Sirkus Finlandia legt jedes Jahr eine lange Tournee-Strecke zurück, mit traditionellen Gastspielen am Polarkreis (in der Mittsommernacht), in Lappland und Sept./Okt. in Helsinki. Sollte man dem Zirkus in Finnland begegnen, ist ein Besuch zu empfehlen.


Frankreich


Zu Frankreich vorweg eine allgemeine Information: Zur Herbstzeit wird der Großraum Paris jedes Jahr zu einer Hochburg der Zirkuskunst, da hier dann gleich mehrere große Zirkusse präsent sind, allein die Familie Bouglione (s. unten) mit mehreren Shows an verschiedenen Stellen. Frankreich ist insofern ein interessantes Zirkusland, weil hier einerseits neben Kanada eine Hochburg des sog. Noveau Cirque ("Neuen Circus") besteht, auf der anderen Seite aber auch der klassische Zirkus weiterhin in gutem Ansehen steht. 


Alexis Gruss

Der früher als französischer Nationalcircus firmierende Zirkus der traditionellen französischen Zirkusfamilie  Alexis Gruss (s. auch Arlette Gruss, unten) präsentiert hochklassige Programme mit Pferdedressuren und Artistik aus der eigenen Familie - sie ist v.a. für die Pferdedarbietungen seit langem bekannt (mit Höchstpreisen auf Festivals) - , aber auch mit Artisten aus dem Umfeld des Nouveau Cirque, der in Frankreich sehr starken Richtung des "Neuen Zirkus". Insofern vermag Alexis Gruss auf interessante Weise verschiedene Traditionen der Branche miteinander zu verbinden, die sich in anderen Ländern und Regionen teils konträr gegenüberstehen.


Cirque Arlette Gruss

Der Cirque Arlette Gruss (seit 1986) gehört einem Zweig der französischen Zirkusfamilie Gruss (s. auch Alexis Gruss, oben). Man reist seit längerem mit einer imposanten Zeltstadt und inszeniert die Programme meist in einem übergreifenden Kontext. Die Regie lehnt sich hierbei an Elemente des Cirque du Soleil an. Zeitgemäß zusammengestellt und mit moderner Technik unterstützt, werden hier die drei Säulen des klassischen Zirkus - Akrobaten, Tiere, Clowns - gepflegt. Die Shows sollen von einem hervorragenden Orchester begleitet sein. Der Besuch des Unternehmens ist auch bei weiterer Anfahrt zu empfehlen.


Cirque d'Hiver Bouglione

(Festbau und stationäre Zelte in Paris)

Der Winterzirkus (Hiver franz. = Winter) der Familie Bouglione - einer der bekanntesten Zirkusfamilien Europas - steht inzwischen für mehrere Shows, von denen drei in Paris gezeigt werden. Die neueren Bouglione-Produktionen laufen nur im Herbst (Nov./Dez.), die "Hauptshow" dagegen jedes Jahr von Oktober bis März im wunderschönen Pariser Festbau der Bougliones, der 1852 von Louis Déjean (im Beisein Napoleons III.) als Cirque Napoléon eröffnet und 1934 von den Brüdern Bouglione gekauft wurde. Dieser älteste noch existierende Zirkusbau der Welt diente u.a. als Originalkulisse für den US-Spielfilm Trapez mit Burt Lancaster. Die Bougliones zeigen hier klassischen Zirkus mit Tieren, Clowns und Akrobaten, einem großen Orchester und Ballett. Gelobt wird zudem die gute Lichtregie, die im eindrucksvollen Innenraum mit seinen steilen Rängen toll zur Geltung kommt. Der Zirkusbau atmet Geschichte, er enthält auch ein Privatmuseum mit historischen Ausstellungsstücken. Im Sommer wird das Gebäude für andere Veranstaltungen vermietet (wie der Bau des Circus Krone in München).


Cirque Falck

Die französische Zirkusfamilie Falck ist schon lange im Geschäft und reiste unter verschiedenen Firmennamen (bis 2017 längere Zeit unter dem Namen Amar), seit 2018 aber wieder mit dem eigenen Familiennamen. Der Zirkus präsentiert ansprechende klassische Komplett-Programme (Tiere, Akrobaten, Clowns) mit mittelgroßem Ensemble, das sich aus hauseigenen Kräften und hinzuengagierten Artisten mischt. Seit 2018 werden die Shows nach einem bestimmten Motto gestaltet. Live-Musik gibt es meines Wissens nicht.


Großbritannien 


Es waren englische Kunstreiter, die 1768 den neuzeitlichen Zirkus ins Leben riefen. Gemessen an dieser historischen Bedeutung ist die Zirkuslandschaft in Großbritannien heute recht dünn geworden. Zirkusse mit Tieren - zumindest mit exotischen - gibt es so gut wie gar nicht mehr, weil die Tierrechtler im Inselstaat eine starke Lobby haben und teilweise aggressiv gegen Zirkusse vorgegangen sind.


Blackpool Tower Circus

(Zirkusbau in Blackpool)

An der britischen Westküste zur Irischen See liegt der Badeort Blackpool mit seinem markanten, weithin sichtbaren Wahrzeichen, dem Blackpool Tower (eröffnet 1894), einem 158 m hohen Stahlturm im Stil des Eiffelturms. Am Fuße des Turms befindet sich ein Veranstaltungskomplex, dessen Kern ein recht eindrucksvoller Zirkusbau (2050 Plätze) aus dem Eröffnungsjahr bildet. Er gehört zu den wenigen historischen Zirkusgebäuden weltweit, die bis heute erhalten sind. Seit 1894 laufen hier kontinuierlich Zirkusshows, seit 1990 ohne Tiere. Seit 1992 wird der Zirkus von der ungarisch-britischen Zirkusfamilie Endresz geführt. Zwei männliche Mitglieder der Familie werben als Clowns für die Programme; sie treten dort neben internationalen Artisten auf. Es spielt ein Live-Orchester. Zum Finale wird die Manege mittels eines hydraulischen Systems traditionell in ein Wasserbassin mit Fontänen verwandelt. - Die Internet-Rubrik des Zirkus findet sich auf der Webseite des Towers. Oft laufen nur tagsüber Vorstellungen, in einigen Saisonzeiten auch abends.


Giffords Circus

Eine besondere Adresse unter den britischen Zirkussen ist der 2000 von Nell Gifford und ihrem damaligen Mann Toti (beide ursprünglich von privat) gegründete Giffords CircusFuhrpark und Zelt dieses hochprofessionell geführten Zirkus sind bis ins Detail stilvoll und nostalgisch gestaltet. Die Programme werden jedes Jahr nach einem bestimmten Motto inszeniert, mit eigens dafür bestellten Kostümen und komponierter Musik. Eine hochkarätige Band spielt Variationen über Jazz, Klassik und Folklore. In der Manege treten leistungsstarke Artisten auf, auch einige hochwertige Dressuren mit Pferden und Kleintieren gehören traditionell dazu. Nach der Show kann man im benachbarten Zelt ein Qualitätsmenü genießen. - Übrigens reiste Giffords Circus vor Jahren mit einem lichtdurchlässigen 2-Masten-Zelt aus Baumwolle (Fassungsvermögen damals: ca. 360 Zuschauer), was auch eine starke Hommage an frühere Zeiten war.


Hippodrome Great Yarmouth

(Zirkusbau in Great Yarmouth)

Sozusagen das Gegenstück zum Zirkusbau in Blackpool (s. oben) ist das 1903 vom Zirkusmann George Gilbert erbaute Hippodrom im Badeort Great Yarmouth an der britischen Ostküste. An der dortigen Vergnügungsmeile liegt der historische Zirkusbau (900 Sitzplätze), seit 1979 im Besitz und unter der Leitung der Familie Peter Jay. Wie in Blackpool führen auch hier die Junioren der Familie als Clowns und Werbeträger durch das internationale Artisten-Programm, und ebenso lässt sich auch im Hippodrom die Manege für einen Programmteil in ein Wasserbecken verwandeln, was in Great Yarmouth wohl intensiver genutzt wird. Ein Live-Orchester gibt es hingegen nicht. - Im Bau des Hippodroms befindet sich außerdem ein Zirkus-museum.


Zippos Circus

Der als Clown Zippo seit den 1970er Jahren bekannte Martin Burton leitet seit 1986 seinen eigenen Zirkus. Das recht erfolgreiche Unternehmen legt weite Reisedistanzen auf der britischen Insel zurück und bietet eine Mischung aus klassischem Zirkus und innovativen Darbietungen, z.T. aus eigener Kreation. Das Ganze wird dargeboten von einem Ensemle recht starker internationaler Artisten. Live-Musik gibt es seit längerem nicht mehr. Kultstatus hat der international bekannte Ringmaster Norman Barret (Jahrgang 1935), der neben der Moderation der Shows immer noch seine beliebte Dressur mit Wellensittichen präsentiert. Obwohl außer den Klein-Papageien und ein paar Pferden (großzügig gehalten) keine Tiere mehr auftreten, hat es groteskerweise selbst vor Zippos Circus schon Demos von Tierrechtlern gegeben. - In den Wintermonaten verweist die Webseite auf den von Zippos Circus präsentierten Weihnachtscircus. 


Irland


Fossett's Circus, Ireland's National Circus

Fossett's Circus habe ich v.a. deshalb hier verlinkt, weil er einer der ältesten reisenden Zirkusse Europas ist. Auf der Webseite lässt sich die Historie nachlesen: Seit der Gründung 1888 ist der Zirkus in der Hand der gleichen Familie (eine Tochter des Gründers Powell heiratete den ersten Fossett). Schon lange wirbt das Unternehmen als "Irischer Nationalcircus". Dabei ist das Programm, gerade seit dem Verzicht auf Tiere (der Druck von Tierrechtlern ist in Irland stark), nicht besonders üppig besetzt; es werden aber immer einige Artisten hinzuengagiert. Die Musik kommt inzwischen vom Tonträger. Seit 2006 präsentiert Fossett's einen Weihnachtscircus in Dublin - den ersten in Irland überhaupt.


Tom Duffy's Circus

Tom Duffy's Circus ist etwas größer als Fossett's Circus (s. oben) und dürfte somit der größte reisende Zirkus Irlands sein. Unter den engagierten internationalen Artisten sind teilweise Truppen, auch zeigt der Zirkus nach wie vor Tierdressuren mit Pferden und Hunden. Das Todesrad der Duffy-Brüder wurde schon in Weihnachtszirkussen auf dem europäischen Kontinent gebucht. Ein Orchester ist anscheinend nicht mehr dabei. In Web-Videos wirken die Shows aber durchaus atmosphärisch.


Italien


Obwohl in Italien kaum mehr Großzirkusse reisen, hat der Zirkus dort eine lange Tradition mit vielen großen Artistenfamilien. Bis heute werden Zirkusse in gewissem Umfang mit staatlichen Geldern unterstützt. Die Zirkustradition hat indes einige Berührungspunkte mit anderen italienischen Kunstformen. So flocht etwa der Regisseur Federico Fellini in seine Filme der 1950er-70er Jahre öfter Zirkusthemen ein. Italienische Musik - ob aus Oper, Volkslied oder Film - findet man häufig im musikalischen Repertoire von Zirkusorchestern weltweit, so beispielsweise die unvergessenen Melodien der Film-Soundtracks von Fellinis "Hauskomponist" Nino Rota.


Circo Medrano

(Tourneen teilw. in anderen Ländern)

Der Circo Medrano der Familie Casartelli gehörte mit seinen Programmen jahrelang zu den größten und vollkommensten Zirkussen Italiens - jedoch Achtung: die Programmhinweise auf der Webseite sind nicht immer aktuell, Aussagen über die Qualität der Shows daher nur bedingt möglich! 2007 gewann die Familie mit den eigenen, hochwertigen Tierdressuren - Pferde, Reiterei, Exoten, Elefanten - den Goldenen Clown beim Circusfestival in Monte-Carlo. Man legt hier viel Wert auf Kostüm und Ausstattung, so ist das Zeltinnere prachtvoll gestaltet. Das Programm wird von einem Live-Orchester begleitet. Für jede Tournee werden internationale Artisten hinzuengagiert, in Großstädten wird das Programm manchmal zusätzlich aufgestockt. In den letzten Jahren war der Zirkus häufig in osteuropäischen Ländern auf Tournee. - Der Name Medrano spielte früher vor allem in Frankreich eine wichtige Rolle, wo heute ebenfalls noch ein Unternehmen unter diesem Namen reist.


Niederlande 


Eine Information vorweg: Großzirkusse reisen in den Niederlanden seit 2015 nicht mehr. Wie in Deutschland boomen hier jedoch die Weihnachtszirkusse, die wir im Menü links unter Weihnachtszirkusse Nachbarländer verlinkt haben. 2015 trat ein Gesetz zum Verbot "wilder" Tiere in reisenden Zirkussen in Kraft. Damit verbunden war eine Positivliste, nach der das Mitführen diverser Haustiere (z.B. Pferde, Rinder, aber auch Kamele und Lamas) weiterhin erlaubt ist. Kleinere und mittelgroße Unternehmen bieten aber weiterhin ansprechenden klassischen Zirkus, wie die unten stehende Auflistung zeigt.


Circus Sijm

Seit in den Niederlanden kein Großzirkus mehr reist, ist der Circus Sijm, der 2000 von Alexander Sijm (ursprünglich nicht vom Zirkus) gegründet wurde, die Vorzeige-Adresse unter den Zeltzirkussen. Das Unternehmen will den Radius seiner Tournee künftig ausdehnen, nachdem man jahrelang nur in der Provinz Noord-Holland gereist ist. Das erstaunliche bei Sijm: Hier wird im kleinen 2-Masten-Zelt (400 Plätze) in persönlicher Atmosphäre guter klassischer Zirkus mit tollen Kostümen und einigen international bekannten Artisten geboten! Außerdem treten Clowns mit musikalischem Talent und wenige, mit Pferden aber typische Tierdressuren auf. 2016 erhielt das Unternehmen den staatlichen Kultur-Award. Ein Besuch lohnt sich. - Der Circus Sijm veranstaltet auch einen alljährlichen Wintercircus am Strand des Ortes Heerhugowaard nördlich von Amsterdam. Außerdem schickt Sijm seit 2016 ein zweites Geschäft (!) als Circus Alexander auf Tour, der ausschließlich spezielle Gala-Vorstellungen gibt, und zwar vornehmlich für Altenheime. Das Projekt wird auf der hier verlinkten Sijm-Webseite mit vorgestellt.


Niederlande Extra:  deutsche Familienzirkusse


Circus Freiwald

Circus Renz Berlin (zzt, nur auf Facebook)

Circus Renz International

Der Name Renz hat in den Niederlanden seit langem einen guten Ruf. Dort reiste z.B. der Großzirkus Hermann Renz als "Niederländischer Nationalcircus", bevor er 2015 wegen Steuerschulden von den Behörden aufgelöst wurde. Seit vielen Jahren sind die deutschen Familienzirkusse der Brüder Bernhard Renz (Renz Berlin) und Franz Renz (Renz International) in den Niederlanden unterwegs, beide aus einem früher gemeinsamen Zirkus hervorgegangen und mit recht großem Zelt und Fuhrpark auf Tour. Mit einem breitgefächerten Nummernrepertoire, das überwiegend von den vielseitig talentierten Familien selbst dargeboten wird, setzen beide Renz-Zirkusse auf Tradition mit Akrobaten, Tieren (v.a. Pferden) und Clowns. Übrigens berufen sich sämtliche Renz-Unternehmen (in Deutschland reisen weitere) bzgl. ihrer Stammlinie gerne auf den berühmten Berliner Zirkus von Ernst Jakob Renz, der im 19. Jahrhundert Weltruhm genoss. Ob wirklich Verbindungen zu heutigen Renz-Familien bestehen, ließe sich nur mit Hilfe von Namensregistern oder Zirkushistorikern nachprüfen. -  Außerdem reist die deutsche Familie Freiwald in den Niederlanden. Sie setzt auf ein ähnliches Traditionskonzept wie Renz. Nach dem Wildtierverbot 2015 mussten die Renzens und Freiwalds ihre Elefanten in die Stammquartiere nach Deutschland bringen, was zwei Tieren nicht bekommen war (Krankheit und Tod). Der Elefant der Familie Freiwald durfte zurückgeholt werden und reist mit Ausnahmegenehmigung, darf aber trotz Fürsprache aus der Bevölkerung nicht auftreten, sondern muss sich hinter den Kulissen aufhalten. 


Norwegen


Cirkus Arnardo

Der Cirkus Arnardo ist nach seiner Inhaber-Familie benannt und reist seit 1949 durch Norwegen. In 4. Generation repräsentiert der mustergültige Betrieb den familiär geführten Reisezirkus der gehobenen Art. In den klassischen Programmen mit Tieren, Clowns und Akrobaten treten neben Familienmitgliedern stets einige internationale, teils bekannte Artisten auf. Die Show wird begleitet von einem guten Live-Orchester. Seit 2015 ist dieses Unternehmen der einzige größere Tourneezirkus in Norwegen.


Österreich


Circus Louis Knie

Louis Knie Junior ist ein erfolgreicher Sprössling aus der bekannten Schweizer Zirkusfamilie, von der sich ein Zweig vor vielen Jahren in Österreich niedergelassen hatte (der Ur-Vater der Knie-Dynastie stammte übrigens auch von dort). Weil der Zirkus in Österreich zwischenzeitlich nicht gut lief, hat Louis Knie Jr. wechselnde Produktionen ins Leben gerufen, so auch Zirkus-Tourneen in Deutschland und den Niederlanden sowie den Wintercircus in Utrecht. Zwischendurch geht er aber wieder in Österreich auf Tournee. Da hier wie in den Niederlanden keine "Wildtiere" mehr auftreten dürfen, reist der Zirkus nur mit Pferden und Haustieren. Louis Knie selbst präsentiert die Pferde - manchmal auch Kühe - in hochwertigen Dressurleistungen. Ein zahlenmäßig überschaubares, aber gutes Ensemble internationaler Artisten gestaltet den akrobatischen Part. Ein Schlagzeuger sorgt immerhin für Live-Effekte.

Louis Knie 2005

(Bild von analoger Kamera)


Polen


Cyrk Korona und Cyrk Zalewski

Die beiden größten Reisezirkusse Polens - beide Mitglied in der European Circus Association (ECA) - weisen so viele Parallelen auf, dass ich sie hier gemeinsam verlinkt habe. Beide zeigen klassische Programme mit einem relativ kleinen, aber inter-nationalen Ensemble; bei Zalewski ist außerdem Magie (Illusionen) vertreten. An Tieren treten jeweils v.a. Pferde, Haustiere (Hunde, Ziegen...) und Kamele auf. Die Musik kommt in beiden Zirkussen vom Tonträger. Und schließlich präsentieren beide zu bestimmten Terminen ein "Zirkusfestival" in Warschau, d.h. ein deutlich aufgestocktes, internationales Programm. Spätestens dann lohnt sicher ein Besuch.


Schweden


Cirkus Brazil Jack

Der Cirkus Brazil Jack bezeichnet sich nicht von ungefähr als ältester Zirkus Schwedens. Die Inhaber-Familie Rhodin ist seit 150 Jahren in der Welt der Reisenden unterwegs, wenn auch nicht immer mit diesem Geschäft. Bis 2017 repräsentierte Brazil Jack den familiär geführten Reisezirkus in sehr ursprünglicher, stimmungs-voller Atmosphäre. Anlässlich des angekündigten Verbots von Elefanten und Seelöwen in schwedischen Zirkussen (die Brazil Jack gar nicht besaß) hat das Unternehmen 2018 sein Konzept umgestellt und reist seitdem ganz ohne Tiere, was man gemeinsam mit einer Organisation verkündet hat, die gegen Tiere im Zirkus aktiv ist. Der Zirkus wirbt in Internet-Videos weiterhin mit nostalgischem Flair, das u.a.. durch die Wagen und das schöne Zelt geschaffen wird. Im Programm tritt ein überschaubares, aber internationales Artistenensemble auf, teils mit bekannten Kräften besetzt. Dazu spielt nach wie vor ein kleines, aber sehr gutes Live-Orchester.


Cirkus Maximum

(2018 nicht auf Tornee!)

Der größte Circus Schwedens unter der Leitung von Bengt Källquist macht 2018 eine Tournee-Pause und hofft 2019 mit aufgefrischtem Konzept neu zu starten, nachdem man auch in Schweden die Probleme des klassischen Circus immer stärker zu spüren bekommen hat. Der Cirkus Maximum wurde bis dato seinem etwas pompösen Namen durchaus gerecht. Das 1983 gegründete, professionell geführte Unternehmen bot jedes Jahr neue klassische Programme mit einem ordentlichen Ensemble international bekannter Artisten (darunter teilweise Top-Kräfte), mit Tieren und Clowns. Das 9 Musiker starke Orchester war in den letzten Jahren eines der größten seiner Art in europäischen Reisezirkussen. Die Tierhaltung gilt als vorbildlich, auch wenn die in Schweden sehr aktiven Tierrechtler im Internet anderes behaupten.


Schweiz


Circus Harlekin

Der 1992 von Monika Aegerter und Peter Pichler gegründete Circus Harlekin ist ein mittelgroßes Unternehmen mit recht kleinem Zelt, in dessen Programmen neben hauseigenen Nummern ein Ensemble hinzuengagierter, internationaler Artisten auftritt. Im tierischen Teil sind einheimische und exotische Haustiere zu erleben, ein kleines Orchester sorgt für Live-Musik. Circusfreunde sind von diesem "Bergcircus", der gerne in kleinen, hochgelegenen Orten der Schweiz gastiert, sehr angetan und beschreiben die Programme als stimmungsvoll und sehenswert. Erstaunlich ist das Aufgebot guter Artisten in diesem nach außen sehr klein wirkenden Zirkus. Hier wird klassischer Zirkus noch richtig gelebt!


Circus Monti

Der "Theater-Circus" Monti der Familie Muntwyler bildet die perfekte Ergänzung zu den hier vorgestellten Schweizer Traditionszirkussen. Die Monti-Programme werden, unter Hinzunahme von Theater-Elementen, als zusammenhängende Stücke mit thematischer Kulisse inszeniert, die Nummern dann mit passender Regie und ausgewählten Kostümen kreativ in die Szenerie eingebaut. Die artistischen Darbietungen (künstlerisch hochwertig) sind weitgehend im Stil des Nouveau Cirque gehalten, jener ursprünglich französischen Gegenbewegung zum klassischen Zirkus. Die Muntwylers gehören zwar einer traditionellen Zirkusfamilie an und traten anfangs noch mit Haustier-Dressuren auf. Seit Jahren lassen sie die Programme aber nun von versierten Theater-Regisseuren inszenieren, wobei einzelne Familien-mitglieder weiterhin zum artistischen Ensemble gehören. Die Musik kommt live von einem Qualitäts-Ensemble mit ganz eigenem Stil und eigens für das Programm komponierten Melodien. Für sein Konzept erhielt Monti schon einen Schweizer Innovationspreis. Das äußere Erscheinungsbild mit schönem Wagenpark rundet das Profil ab. Die Organisation ist hochprofessionell, aber eben nicht mehr zirkustypisch.

Monti 2007


Circus Nock

Die Familie Nock ist seit ca. 1860 mit Arena und Zirkus in der Schweiz auf Tour - und führt damit heute nicht nur den ältesten Zirkus der Alpenrepublik, sondern ebenso einen der ältesten Reisezirkusse Europas. Der nach dem Nationalcircus Knie (s. unten) zweitgrößte Schweizer Zeltzirkus zeigt neben (meist) hauseigenen, stilvollen Tierdressuren eine Reihe internationaler Artisten und Clowns in mitunter starken Programmen. Die lichttechnisch gut inszenierten Shows werden von einem Live-Orchester abgerundet. Vielleicht kann man diesen Zirkus im Vergleich zu Knie als "ursprünglicher" in seiner Ausstrahlung bezeichnen. Er gehört auf jeden Fall zu den Schweizer Qualitätsadressen.

Nock 2011


Circus Royal

Der Circus Royal wurde 1963 von der Schweizer Zirkusfamilie Gasser-Stey gegründet. Nach dem überraschenden Tod (2018) von Peter Gasser, dem letzten Geschäftsführer aus der Stammfamilie, wird der Zirkus heute von dessen Lebensgefährten Oliver Skreinig geführt, der schon zuvor die Co-Leitung innehatte und einen großen Teil der Tiernummern präsentiert. Die Programme waren in den letzten Jahren von schwankender Qualität, Royal bietet aber immer ein klassisches Komplettprogramm - inzwischen auch wieder mit Live-Musik! Ein überschaubares, aber gutes Ensemble internationaler Artisten sorgt für einen ausgewogenen akrobatischen Teil. Hin und wieder werden zu den hauseigenen Tierdressuren weitere hinzuengagiert (zuletzt die einzigen Raubtiere in einem Schweizer Zirkus). Der clownesque Part darf nicht fehlen, wenn er auch aufgrund mangelnden Angebots an guten Clowns schwerlich auf dem früher hohen Niveau der Royal-Clownerie gehalten werden kann. - Im Winter zeigt Royal eine Weihnachtsshow. Über die Gastspielorte des Weihnachtscircus informiert die Webseite. Leider findet man dort nur wenige Infos über das aktuelle Programm.

Royal 2007


Schweizer National-Circus Knie

Der größte Zirkus der Schweiz existiert seit 1919 - vorher zogen die Knies aber schon rd. 100 Jahre als Seiltänzertruppe umher - und gehört zweifellos zu den bedeutendsten Zirkussen weltweit. Für die Programme werden ausschließlich internationale Spitzen-artisten, darunter etliche Preisträger engagiert; im clownesquen Part treten aus Funk und Fernsehen bekannte Komiker auf. Das Live-Orchester kommt, wie so oft heutzutage, nur teilweise zum Einsatz, viele Artisten bringen "ihre" Musik auf Tonträger mit. Die hauseigenen Tiernummern (v.a. Pferde) gehören in der Zirkuswelt zum Besten in diesem Bereich, auch was den Umgang mit den Tieren betrifft. Die meisten Tiere leben inzwischen im eigenen Zoo in Rapperswil nahe Zürich, wo die Knies sogar asiatische Elefanten züchten. Nach Protesten von Tierrechtlern gehen die Dickhäuter nicht mehr mit auf Tournee, obwohl gerade Knie ein echtes Vorbild in Sachen Elefantenhaltung war. Ungeachtet dessen ist der Circus Knie ganz großer und zugleich traditionell-familiärer Zirkus, mit hohem Stellenwert in der Schweizer Öffentlichkeit. In der nunmehr 8. Generation vermischt sich übrigens durch Einheirat die Linie der Knies mit der traditionsreichen italienischen Artistenfamilie Errani.

Knie 2010


Spanien


Gran Circo Mundial

Der Gran Circo Mundial - übersetzt eigentlich "Großer Weltcircus" - unter der Leitung von José Maria Gonzáles Villa gehört zu den großen Reisezirkussen in Europa. Im Programm sind internationale Truppen engagiert, darunter teilweise Spitzen-nummern. Dafür verzichtet man auf ein Orchester. Es wird klassischer Circus mit Tieren, Clowns und Akrobaten geboten. - Bislang fehlen mir nähere Informationen über das Unternehmen, die bei Gelegenheit ergänzt werden. Die Webseite ist nur in Spanisch verfügbar.


Tschechien


Cirkus Humberto

Der für Zirkusfreunde klangvolle Name Humberto bezeichnete einst einen bekannten Teil des tschechischen Staatscircus zu Zeiten des Sozialismus. Ein Zweig der weit-verzweigten tschechischen Familie Navratil hat die Namensrechte erworben und führt heute dieses mittelgroße Unternehmen, in dessen Programmen eine zweite Familie Navratil sowie wenige hinzuengagierte Artisten auftreten. Dennoch wird hier insgesamt ein reichhaltiges und teilweise leistungsstarkes Programm geboten. Wie in den meisten klassischen Zirkussen Tschechiens treten neben vielen anderen Tieren (darunter Elefanten) auch Braunbären auf. Übrigens reist auch in Deutschland ein kleiner Zirkus unter dem Namen Humberto.


Národni Cirkus Originál Berousek

(deutsch: Nationalcircus Original Berousek)

Die Berouseks gehören zu den bekanntesten Zirkusfamilien in Tschechien. Ihre Tradition reicht Jahrhunderte zurück, schon früher besaßen Vorfahren eigene Zirkusse. In der sozialistischen Ära wurde der Zirkus von Jirí Berousek mehrfach enteignet, die Familie war aber mit den international bekannten Bärendressuren im Ausland engagiert, u.a. bei Ringling in den USA. 1990 gründete Jirí Berousek den ersten tschechischen Privatzirkus nach der politischen Wende. Er wurde 2002 vom Kulturminister zum "Nationalcircus" ausgerufen und erhielt 2009 den Hauptpreis beim Circusfestival in Bukarest. Der Original Circus Berousek gehört zu den größeren reisenden Zirkussen in Tschechien. Viele Nummern - so die hochwertigen Tier-dressuren - werden von der Familie selbst präsentiert, vor allem von der Direktion Jirí Junior und seiner Frau. Daneben werden auch Artisten und Clowns hinzuengagiert. Trotz fehlender Live-Musik wurde das Programm in der Circuszeitung 2011 "mit Klasse und Liebe zum Detail" beschrieben. In der Nähe von Prag dient ein ehemaliges Schlösschen als Winterquartier, wo die Tiere (unter anderem einige Bären) adäquat untergebracht sind.


Ungarn


In Ungarn genießt die Zirkuskunst seit langem einen hohen Stellenwert und wird vom Staat als Kulturgut wertgeschätzt. Laut Experten gibt es in den letzten Jahren eine interessante zweigeteilte Entwicklung: In der Hauptstadt Budapest mit ihrem großen Festbau-Zirkus (s. unten) und einer renommierten Artistenschule werden in den letzten Jahren vorwiegend zeitgenössische Produktionen geboten bzw. Programme mit übergreifendem thematischen Bogen, die teilweise andere Künste wie Schauspiel, Tanz, Eiskunstlauf oder Puppenspiel mit Artistik vereinen. Diese neueren Konzepte schließen Tierdressuren nicht grundsätzlich aus - anders als der Nouveau Cirque in Westeuropa und Kanada. Der andere Strang der ungarischen Zirkus-kunst ist der traditionelle Zirkus, der in großen Zeltzirkussen des Landes weiterhin auf z.T. hohem Niveau gepflegt wird, wobei auch dort neue Trends aus Westeuropa einfließen. Dabei buhlen die Unternehmen zunehmend um Touristen, weshalb sich viele Zirkusse im Sommer um den Balaton (Plattensee) scharen, die beliebteste Urlaubsregion des Landes. Die dortige Häufung von Zirkussen wird langsam zum Problem, da man sich gegenseitig Besucher abringt. Wir verlinken hier die angestammten und konstanteren großen Zirkusse, die auf jeden Fall zu empfehlen sind. 


Fövárosi Nagycirkusz

(deutsch: Großer Hauptstadtcircus; Budapest)

Der Zirkusbau in Budapest wirbt in seinem Logo mit einer Tradition seit 1889. Das heutige Gebäude - in einem großen Freizeitpark relativ zentral gelegen - wurde 1971 anstelle eines älteren Baus eröffnet. Äußerlich trägt das Gebäude den wenig ästhetischen Charme aus der Zeit des Sozialismus, es ist aber so gesehen ein wichtiges Baudenkmal und atmet laut Insidern einen Glanz vergangener Zeiten. Die technische Ausstattung ist voll auf der Höhe der Zeit. Die Leitung liegt derzeit bei Peter Fekete. Hier werden Zirkusshows von sehr unterschiedlichem Charakter geboten, von "Circus unter Wasser" über Eisshows bis hin zu Märchenerzählungen mit integrierten Schauspiel-, Tanz- und Puppenelementen. So wechseln sich über das ganze Jahr verschiedene Produktionen ab. Alle 2 Jahre wird hier im Januar das Inter-nationale Circusfestival von Budapest veranstaltet (s. Seite mit Festivals), das nach Monte-Carlo zu den ältesten und größten Festivals der Welt gehört. Informationen darüber gibt es auf der hier verlinkte Webseite.

Festbau Budapest 2017


Magyar Nemzeti Cirkusz

(deutsch: Ungarischer Nationalcircus)

Der Zirkus, der als Ungarns Nationalcircus firmiert, wird von der international bekannten und staatlicherseits hochgeschätzten Familie József Richter geführt, die in verschiedenen Generationen mehrfach den Silbernen und Goldenen Clown beim Circusfestival in Monte-Carlo gewann, vor allem für ihre hochwertigen Pferde- und Reitdarbietungen. Den Ungarischen Nationalcircus gründeten József und Carola Richter (geb. Renz) 1995. Man bietet klassischen Circus, der zumindest in der Vergangenheit sehr schön dekoriert und von qualitätsvoller ungarischer Livemusik begleitet war. Nach wie vor spielt ein gutes Orchester und werden Traditions-nummern  in Trachtenkostümen gepflegt, doch haben auch moderne Trends wie Motorrad-Stunts u.a. Einzug erhalten. Zu den Familiennummern, deren Höhepunkt traditionell die weltbekannte Jockey-Reitertruppe (inzwischen unter der Leitung von József Richter Jr.) bildet, werden einige international renommierte Artisten hinzu-engagiert. Die klassischen Programme zeigen einen hohen Anteil an Tiernummern. Durch die Heirat von József Richter Jr. mit der deutschen Zirkusfrau Merrylu Casselly ist 2017 eine Verquickung zweier angestammter Zirkusfamilien entstanden. Ob die ganze Familie Casselly (ebenfalls Goldgewinner in Monte-Carlo, mit Pferden und Elefanten) für längere Zeit beim Ungarischen Nationalcircus bleibt, ist abzuwarten. - Wie alle Zeltzirkusse, so gastiert auch der Ungarische Nationalcircus im Juli/August am Plattensee (Balaton), wo man für die dort ansässigen Urlauber spielt. 


Richter Flórián Cirkusz

(deutsch: Circus Florian Richter)

Die Familie Flórián Richter aus der renommierten ungarischen Zirkusfamilie hat sich Mitte der 2010er-Jahre vom National-Circus der Eltern und des Bruders (s. oben) gelöst und einen eigenen Reisezirkus gegründet, der unter Leitung des versierten Pferdefachmanns  Flórián Richter nach wie vor hochwertige Pferdedressuren - teils kombiniert mit artistischen Kunststücken - bietet und somit die klassische Zirkus-Tradition am Laufen hält. Zu diversen Familiennummern werden internationale Artisten hinzuengagiert, darunter auch neue "westliche" Trendnummern wie Motorrad-Stunts oder Lasershow. Von Live-Musik ist mir derzeit nichts bekannt, wobei man vermutlich ein Orchester mitführt. Wie die übrigen ungarischen Zeltzirkusse, so gastiert auch der Circus Flórián Richter im Sommer mehrere Wochen am Balaton (Plattensee).