Die Vielfalt der Zirkuswelt heute - und der Zauber des klassischen Circus

(unten auf der Seite: Filmclip aus dem niederländischen Circus Herman Renz 2007)


 

"Viele Circusse habe ich besucht, vor einer Woche erst war einer dieser neuen [...] da. Fantastisch! Perfekte Technik, aber nichts für mich. Mit all seinen Lichtern und Effekten konnte er mir das Kitzeln im Herzen nicht schenken, das ich im Circus deines Vaters gespürt habe."

(Rafik Schami, "Reise zwischen Nacht und Morgen" )

 



Bilder - 1: Stallzelte des Circus Europa auf einem Platz in Hamburg-Farmsen. - 2: Feuerspucker im Circus Belly; im Hintergrund ein Schimmer der Abendsonne. - 3: Älteres Bild vom Schweizer Circus Monti, dem "Theaterzirkus".

 


Die Geburtsstunde des neuzeitlichen Zirkus wird in Fachkreisen meist auf die 1768 eröffnete Reitschule des britischen Offiziers Philip Astley (1742-1814) zurückgeführt, der dort öffentlich präsentierte Reitkunststücke mit Darbietungen von Akrobaten und Komikern zu einem Komplettprogramm ergänzte. Die drei Säulen - Tiere, Clowns und Akrobaten - bildeten von nun an den Maßstab für Zirkusprogramme in Europa und später weltweit. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts, als im Zuge der Kolonialisierung verstärkt exotische Tiere nach Europa und Amerika eingeführt wurden, um dort Zoos und Menagerien zu bereichern, fanden auch Dressuren mit Raubtieren, Elefanten und diversen weiteren Arten Eingang in die Zirkusmanegen der Welt. In den Darbietungen der Akrobaten hingegen lebten jene zum Teil jahrhundertealten Kunststücke fort, mit denen fahrende Gaukler schon in der Antike und im Mittelalter Menschen auf Jahrmärkten und Volksfesten oder an den Höfen der Adeligen begeisterten. Ebenso gab es Formen von Clownerie und Pantomime schon lange vor der Geburt des neuzeitlichen, klassischen Zirkus. "Klassisch" wird er genannt, weil er in der Epoche der Klassik entstanden ist. Seine traditionelle Schreibweise lautet - in Anlehnung an die Antike - "Circus". Der Duden erlaubt beide Schreibweisen, empfiehlt aber inzwischen die mit "Z" und "k", die wir deshalb auch auf unserer Seite verwenden, außer wenn es um Eigennamen von Zirkussen geht, die gerne noch die Schreibweise mit "C" verwenden.

 


Oben: In Dänemark gibt es schöne Zirkusplätze. - 1-2: Cirkus Arena in Sönderborg. - 3: Cirkus Benneweis in Aabenraa.



Bilder 1-3: Hochseiltruppe im dänischen Cirkus Arena; mit klassischem Abgang über das Schrägseil (3).

 


Heute, im frühen 21. Jahrhundert, ist die Welt des Zirkus in Europa und weltweit vermutlich vielfältiger als je zuvor. Ganz unterschiedliche Formate wandernder und stationärer Zirkus-, Akrobaten- und Varietéshows werden in den Zelten, Hallen und Theatern überall auf unserem Planeten geboten, und nicht selten ist gerade die Zirkuskunst als volkstümlicher Kulturzweig eines Landes oder einer Region von den dortigen Bräuchen und Traditionen stark beeinflusst. Das macht die Welt des Zirkus ungemein spannend und vielfältig. Dennoch bildet der Zirkus eine Art große, internationale Familie, da sich viele Elemente der Zirkuskunst ungeachtet regionaler, nationaler oder gar kontinentaler Unterschiede  doch wieder ähneln. Auf den großen Zirkusfestivals der Welt treffen verschiedenste Nationalitäten und Stile aufeinander und machen die Programme zu multinationalen und -kulturellen Spektakeln. Gute Darbietungen werden weltumspannend von Zirkusunternehmen unter Vertrag genommen, sodass es eigentlich laufend zu einem länderübergreifenden Austausch kommt. In Zeiten großer politischer Konflikte wie des Kalten Krieges setzte sich der Zirkus über eiserne Vorhänge hinweg und verpflichtete Artisten der jeweils gegnerischen Seite in Verträgen. Noch in jüngster Zeit erfüllt der Zirkus manchmal politische Pionierleistungen, so etwa 2008 die niederländische Agentur Stardust Entertainment mit der Zusammenstellung einer Show des Staatscircus von Nordkorea.

 


Oben: Nordkoreanisches Flugtrapez im Circus Krone in München, ausgezeichnet mit dem Goldenden Clown in Monte Carlo. In der Nummer mit 3 Fängern sind spektakuläre Sprünge möglich, darunter der unglaubliche 4-fache Salto mortale.



Bilder - 1: Koreanische Flugtrapez-Truppe unter der Kuppel des Krone-Baus. - 2: Ebenfalls Weltklasse: DieTruppe Sokolov (Russland) mit Schleuderbrett-Akrobatik im Schweizer Circus Knie. - 3: Trio Belissimo mit Kontorsionistik bei Knie.

 


Der Zirkus hat seit je her den Anspruch, Unterhaltung für alle Schichten der Bevölkerung und für die ganze Familie zu bieten. Deshalb nannte man Zirkusse im 19. Jahrhundert häufig  "Theater" oder "Oper des Volkes" und meinte damit vor allem drei Aspekte: Zum einen begeistert der Zirkus Menschen aller Bildungsschichten, anders als die Oper und das klassische Sprechtheater, wo der Anteil des "Bildungsbürgertums" im Publikum deutlich höher ist. Somit war und ist Zirkus niemals elitäre Kunst, was sicherlich mit ein Grund dafür ist, dass er gerade auch in sozialistischen Ländern eine breite staatliche Förderung erfährt. Zweitens war der Zirkus zumindest in früheren Zeiten vom Preis her erschwinglich, und zwar auch für Menschen, die sich keine Opern- und Theatervorstellungen leisten konnten. Leider hat sich dieses Verhältnis heute beinahe umgedreht (mehr dazu auf der Seite zum Zirkusalltag). Der dritte Aspekt ist die Tatsache, dass ein gutes Zirkusprogramm Menschen jeden Alters - vom Dreikäsehoch bis zur Großmutter - anspricht, was außer einigen familiengerechten Musicals kaum ein anderes Live-Unterhaltungsformat schafft. Insofern sind Zirkusse heute noch Orte, wo Menschen aller Gesellschaftsschichten zusammentreffen.

 



Bilder - 1: Menschenschlangen vor dem Circus Roncalli in Osnabrück. - 2: Publikum in der Pause des dänischen Cirkus Arena. 3: Zuschauer vor dem Einlass zum China-Zirkus in Hamburg-Moorfleet. - 4: Stefan und eine gemeinsame Freundin vor einem Renz-Zirkus (nicht mehr auf Tournee) in Bonn.

 


Speziell in Europa, wo der geografische Schwerpunkt unserer Webseite liegt, verändert sich der Zirkus fortlaufend. Ein neuer Trend ist das Wiedererstarken stationärer Zirkusshows, die zu einer festgelegten Zeit an einem bestimmten Ort veranstaltet werden. Dies geschieht häufig unter dem Titel "Zirkusfestival" (auch wenn nicht immer Preisverleihungen und Wettbewerb Bestandteile dieser Veranstaltungen sind) oder - ganz besonders in Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz - um Weihnachten und Silvester herum im Geschäft der sogenannten "Weihnachtszirkusse". Die drei genannten Länder verwandeln sich seit Jahren zu dieser festlichen Jahreszeit in ein wahres Mekka für Zirkuskunst, während die Zahl der Zirkusse, die das ganze Jahr über bzw. im Sommer kontinuierlich auf Tournee gehen, immer mehr abnimmt.

 


Bilder - 1: Stuhlbalancen im China-Zirkus. - 2: Rola-Rola im Doppelpack (Circus Krone). - 3: Artisten-Duo am Fangstuhl im Circus Probst. - 4: Seltene Säbelbalancen in einer Weihnachtsshow des norddeutschen Zirkus Zaretti.

 


Von dem, was im Programm geboten und wie es inszeniert wird, unterscheiden sich die Zirkusse der "westlichen Welt" ebenfalls zunehmend. Allein in Deutschland und den Nachbarländern gehen jedes Jahr völlig verschiedenartige Showformate mit Zirkuselementen auf Tournee. Neben den klassischen Zirkussen mit Tieren, Clowns und Akrobaten gibt es einige Shows, in denen Pferde im Mittelpunkt stehen (ähnlich vielleicht wie in den Anfängen des Neuzeit-Zirkus), sowie viele Zirkusse mit nur wenigen oder gar keinen Tieren. Unter letzteren findet sich wiederum eine große Bandbreite: Neben etablierten Produktionen wie dem deutschen Circus Flic-Flac, dem breit aufgestellten Circus Roncalli (Beispiel: gemeinsame Show mit der Kölner Band Höhner  im Rheinland) oder dem Schweizer "Theaterzirkus" Monti finden sich ganz neuartige Konzepte, die manchmal nur ein bestimmtes Zielpublikum ansprechen, so etwa die sogenannten "Horrorzirkusse" oder erotische Zirkusshows. Zum Konzept eines Horrorzirkus gehört der Grusel der Zuschauer: Schon am Eingang wird man hier von verkleideten Mitarbeitern im Monster- und Gespenster-Outfit erschreckt bzw. in Empfang genommen, was sich dann in der Show fortsetzt, die außer guter Artistik auch krasse Elemente enthalten kann, z.B. indem ein Artist mit Fleischerhaken in der Haut in die Zeltkuppel hinaufgezogen wird. In den Erotik-Zirkussen wird mit Striptease, viel Haut und verführerisch-lasziven Momenten gearbeitet. Beide Formate sind wohl für Kinder ziemlich ungeeignet und auch für Erwachsene eine Sache des jeweiligen Geschmacks, haben sich also insofern vom Ideal des traditionellen Zirkus (Unterhaltung für die ganze Familie) bewusst entfernt.



Bilder 1-3: Cirkus Arena (Dänemark). - 1: Motorradfahrer in Metallkugeln sind seit Jahren in Mode. - 2: Vorbereitung auf einen Seiltrick im Todes- oder Riesenrad. - 3: Arbeiter, die auf den Masten Scheinwerfer bedienen, sieht man heute nur noch selten.

Bild 4: Sattel- und Zaumzeug im Stallzelt des früheren Zirkus Probst (Ost).


Bilder - 1: Stirnbalancen im China-Zirkus. - 2+3: Handstandartist und Russischer Barren im Circus Probst. -

4: Drahtseilartist im Circus Kone.

 


Einen guten Ruf  insbesondere in gut situierten, städtischen Bevölkerungsgruppen genießen Produktionen aus dem Umfeld des Noveau Cirque, hier insbesondere der weltbekannte Cirque du Soleil, der - in Kanada (Montréal) gegründet - inzwischen an Investmentgruppen u.a. aus China verkauft wurde und in allen Kontinenten mit Hallen- und Zeltshows auf Tournee geht. Der Noveau Cirque (oder auch Cirque Noveau) entwickelte sich als eigene Form unter den darstellenden Künsten (performing arts) in den späten 1960er Jahren. Die Strömung besann sich auf ältere Wurzeln in den 1920er Jahren und wollte den Zirkus sozusagen neu erfinden. Von Frankreich ausgehend, nahm sie in den 1970ern Einfluss in verschiedenen Ländern, schwerpunktmäßig in England, Australien, den USA (Westküste) und in Kanada. Dort, genauer gesagt in der ostkanadischen Stadt Montréal, Hauptstadt der französischsprachigen Provinz Québec, etablierte sich Anfang der 1980er Jahre ein Zentrum für Noveau Cirque, dessen bekanntestes Aushängeschild eben jener uns bekannte Cirque du Soleil wurde. 

 

Nouveau Cirque hat nur teilweise mit Zirkus im eigentlichen Sinne zu tun. Die Darstellungsform überschneidet sich mit anderen Künsten wie Tanz, Theater und Musical. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem ästhetischen Effekt: Inszenierung und künstlerischer Ausdruck stehen an erster Stelle, gerne wird ein Charakter oder eine Geschichte entwickelt. Die eigentliche artistische Leistung tritt dabei nicht selten in den Hintergrund, einige zirkustypische Elemente wie Spannung oder Nervenkitzel fehlen weitgehend. Statt Glitzerkostümen tragen die Artisten meist lässigen "Streetwear-Look". Auf Tierdarbietungen wird komplett verzichtet. - Auch wenn der Cirque du Soleil vielleicht nicht als typischstes Beispiel für Nouveau Cirque dient, da in den Soleil-Programmen teilweise Einflüsse des klassischen Zirkus wirken und dort auch Sensationsakrobatik geboten wird, so ist es doch bezeichnend, dass auch im "Sonnenzirkus" nicht von "Nummern", sondern von "Szenen" gesprochen wird, die in die Rahmenhandlung der Show eingebettet sind. Die festgelegten Rollen in den Szenen können mit austauschbaren Akteuren (= Artisten) besetzt werden. So erhalten die Choreografie und die Gesamtleistung des Ensembles Vorrang vor artistischen Einzelleistungen. Passend dazu werden in Programmheften an erster Stelle Produzenten, Regisseure und Designer erwähnt, während die Artisten höchstens in Nebenrubriken namentlich erscheinen.

 


Bilder: Der Cirque du Soleil mit "Corteo" in Hamburg-Moorfleet. - 1: Die gewaltigen Zeltanlagen bei Nacht. - 2: Blick auf die verhängte Bühne; im Cirque du Soleil darf nicht fotografiert werden. - 3: Container und Personal auf dem Zirkusplatz.

 


Auch einige Zirkusfestivals verschreiben sich zunehmend der Richtung des Nouveau Cirque, an erster Stelle das international bedeutende Festival des Circus von Morgen (Festival du Cirque de Demain) in Paris - passender weise, wo doch die Kunstszene des Nouveau Cirque ohnehin in Frankreich entstanden und nach wie vor (z.B. an Zirkusschulen) stark vertreten ist. Die deutsche Circuszeitung kommentierte im Februar 2012 in einer Programmrezension zum Pariser Festival: "Wie eine Parallelwelt hat sich die mit staatlichen Mitteln aufgeblähte Szene in Frankreich entwickelt und den Circus, jedenfalls das, was der Cirque Nouveau unter diesem Begriff versteht, zum Minderheitenprogramm gemacht, das nachts auf Arte versendet wird. Den Kontakt zum ursprünglichen Circus [...] hat diese Szene längst verloren." Der Kommentar macht in Kürze die Kluft zwischen Nouveau Cirque und klassischem Zirkus deutlich, die sich nicht zuletzt in der Verschiedenartigkeit des Publikums zeigt. Problematisch wird das Spannungsfeld eigentlich erst dann, wenn Politiker oder Medien den Nouveau Cirque als Argument gegen klassischen Zirkus ins Feld führen, wie das in der Debatte um Zirkustiere geschieht (s. Seiten zur Tierhaltung). Andererseits bereichert der Noveau Cirque die Szene freilich ungemein, und es gibt sogar gelungene Beispiele für Programme, in denen klassischer Zirkus und Elemente des Nouveau Cirque erfolgreich miteinander kombiniert werden.

 




Bilder oben - 1: Martin Lacey Jr. (Circus Krone), Gewinner des Goldenen Clowns von Monte Carlo, mit seiner sensationellen Raubtiernummer. - 2+3: Ebenfalls Gold erhielt die Familie Casselly aus Deutschland mit ihren "Schleuderbrett-Elefanten". - 

4: Klassischer Abgang der Trapezleute über das Fangnetz im Circus Krone.


Bilder links - 1: Schlappseil mit Antipodenspielen im früheren Zirkus Probst (Ost). - 2: Tellerjongleure im Circus Belly.

Bild Mitte: Atmosphäre im Zirkuszelt, mit Hochseiltruppe und Orchester (Circus Barelli, nicht mehr auf Tournee).

Bilder rechts: Requisiteure beim Abbau des Zentralkäfigs im Circus Belly (1); Aufbau des Fangnetzes im Circus Krone (2).

 


Ungeachtet aller Veränderungen ist der klassische Zirkus keineswegs aus der Mode gekommen. Das wird allein in Deutschland spätestens zur Weihnachtszeit deutlich, wenn die Weihnachtszirkusse wie Pilze aus dem Boden schießen. Umfragen hierzulande ergeben immer wieder Mehrheiten für  den Zirkus mit Tieren. Und die meisten Menschen haben beim Wort "Zirkus" / "Circus" nach wie vor ein Fahrgeschäft mit Wagen, Zelt, Manege, Artisten, Clowns und Tieren vor Augen - und den Geruch von Sägemehl und Stall in der Nase. Moderne Großproduktionen, die mit Containern und ohne Tiere reisen und deren Artisten meist im Hotel wohnen und nur zur Vorstellung auf den Zirkusplatz kommen, können trotz ihrer tollen Programme und sensationeller Artistik nicht die Atmosphäre schaffen, die man vom traditionellen Wanderzirkus kennt.

 

Den Unannehmlichkeiten zum Trotz, die so ein Gauklerleben mit sich bringt, gibt es weiterhin Menschen, die sich für das Leben und Arbeiten in reisenden Zirkussen entscheiden oder sogar das Gefühl haben, gar nicht anders zu können: Zirkusleute, Schausteller, "Fahrende", die im Zusammenspiel von Mensch und Tier, unter Aufbietung größter Anstrengungen, unter Inkaufnahme höchsten Risikos Menschen zum Lachen, zum Staunen, zum Jubeln bringen - manchmal vielleicht sogar zum Weinen, wenn die Poesie gelingt. Internationale Künstler stellen in der Manege ihre Fähigkeiten in den Sparten Akrobatik, Clownerie, Magie und Tierdressur unter Beweis. Musikanten spielen auf - klassische Zirkusmusik gehört als unverkennbares Merkmal zur echten, traditionellen Zirkuskunst, wenn auch Techno, Hip-Hop und andere Kommerzmusik inzwischen immer mehr an ihre Stelle treten.

 


Bilder obere Reihe: In den Winterprogrammen des Circus Krone in München spielt ein gutes Orchester. - Untere Reihe: Während traditionelle Clowns uns im Kampf mit der Tücke des Objekts den Spiegel vorhalten (1), treiben heute viele Spaßmacher Scherze mit Teilnehmern aus dem Publikum, wie hier im Cirkus Dannebrog mit unserem Webmaster (2-4).

 


In allen Formen von Zirkus  - ob klassisch, Noveau Cirque oder welchen Formats auch immer - treten Menschen aus allen Regionen der Erde auf und machen die Programme zu multi-nationalen Ereignissen, wobei die unterschiedlichen Volksgruppen mit ihren je eigenen Temperamenten im klassischen Zirkus oftmals besonders deutlich zur Geltung kommen. Seien es Italiener, die zum Takt einer schmissigen Tarantella ihre Ikarier-Künste zum Besten geben, temperamentvolle Südamerikaner, die ihr Publikum mit Samba-Rhythmen auf dem Hochseil zu Begeisterungsstürmen hinreißen, Chinesen, die in perfekter Choreografie schier unglaubliche Balanceleistungen vollbringen, oder Russen, die beim Mehrfach-Salto vom Schleuderbrett ihren slawischen Stolz gleich mit durch die Luft katapultieren: Sie alle haben ihren Platz unter der Zeltkuppel.

 

Der Schriftsteller Ernest Hemingway sagte einmal: "Circus ist die einzige nicht an die Lebensjahre gebundene Freude, die man sich für Geld kaufen kann." Klingt das Zitat auch etwas kapitalgebunden, so macht es doch deutlich, wie groß die Bandbreite eines potentiellen Zirkuspublikums ist. Es kommt in Zukunft wohl vor allem auf Kommunen, Behörden und die große Politik an, dem Zirkus in Westeuropa (insbesondere dem klassischen Zirkus) wieder mehr öffentliche Geltung zu verschaffen.

 


Bilder oben u. unten: Die große Zirkusfamilie vereint - Finales im Circus Krone (1, 3+4) und im Circus Roncalli (2).



Videoclip mit Programmausschnitten aus dem niederländischen Circus Herman Renz - entstanden in Amsterdam 2007

Information: Dieser große niederländische Reisezirkus hat 2014 seinen Betrieb zumindest in der Sommer-Saison eingestellt, spielt aber noch als Weihnachtszirkus in Haarlem.