Zur Haltung verschiedener Tierarten in reisenden Zirkussen


Auf dieser Seite werden typische Tierarten in Zirkussen vorgestellt bzw. auch solche, die inzwischen nicht mehr oder nur noch selten gehalten und dressiert werden. Neben einigen Informationen zur jeweiligen Tierart werden ein paar kurze Hinweise zu deren artgerechter Haltung gegeben. Vorbildliche Reisezirkusse in Westeuropa erfüllen diese Standards seit längerem, übertreffen sie hin und wieder sogar. Eine gute Haltung ist allerdings nur auf entsprechend großen Zirkusplätzen möglich, die in den Kommunen immer seltener vorhanden sind oder bereitgestellt werden. - Übrigens: Die Fotos auf dieser und den anderen Tierseiten sind seit 2004 entstanden. Inzwischen werden nicht mehr alle hier abgebildeten Arten in den jeweiligen Zirkussen mitgeführt, wo wir sie fotografiert haben. 


Pferde

Ernst Günther und Dietmar Winkler stellen in ihrem Standardwerk zur Zirkusgeschichte fest: "Mit dem Pferd begann [...] die Geschichte des Zirkus." Pferdedarbietungen sind ein unverzichtbarer Bestandteil des klassischen Zirkus. In den Marställen (= Hengstställen) der großen Zirkusse leben Araber, Friesen, Andalusier und andere Rassepferde, die in Freiheitsdressuren, als Reit- oder Schulpferde auftreten, ferner bestimmte Rassen von Kaltblutpferden für artistische Reitdarbietungen. Manchmal werden auch Stuten mitgeführt. Im Stall werden die Pferde getrennt in geräumigen Einzelboxen gehalten, was dem Standard auf Reiterhöfen und in Sportställen entspricht. Andernfalls käme es zu Rangeleien zwischen den Tieren. Manche Zirkusse bieten ihren Pferden auf umzäunten Weidekoppeln zusätzlichen Auslauf, was aber nur auf besonders großen Plätzen möglich ist. Wichtig ist die tägliche Bewegung der Tiere. Das geschieht - außer in den Vorstellungen - bei Proben, bei der Pflege oder beim Ausführen auf dem Zirkusplatz. Die fachmännische Pflege des Fells und der Hufen ist unverzichtbar. 


Oben: Auslaufkoppeln im dänischen Cirkus Arena (1), im Schweizer Nationalcircus Knie (2+3) und im Circus Krone (4). 

Unten: Pferde im Circus Krone. - 1+2: Stallboxen auf dem Zirkusplatz. - 3: Im Winterstall in München. - 4: Pony-Training.



Haustiere, Kleintiere, Vögel

Die Haltung einheimischer Bauernhoftiere wie Esel, Ziegen, Kühe, Schweine usw. gewinnt in Zeiten verschärfter Tierschutzgesetze zunehmend an Bedeutung für die Zirkusse. Wenn diese Arten im Zirkus korrekt untergebracht sind, geht es ihnen oft bedeutend besser als ihren Artgenossen in Mast- und Molkereibetrieben. Haustiere wie Hunde und Katzen sind auf den Menschen angewiesen. Während man Hundedressuren regelmäßig in Zirkussen antrifft, wurden Hauskatzen früher nur selten dressiert; in letzter Zeit haben Katzennummern etwas zugenommen. Kleintiere wie Ratten und Kaninchen sind manchmal in Dressuren oder Zaubernummern zu sehen und können bequem im Wohnwagen oder Mini-Stall gehalten werden. - Darüber hinaus treten diverse Vögel in Zirkussen auf, namentlich Tauben, Papageien, Hühner, Enten oder größere Arten wie Laufvögel (s. unten). Insbesondere Dressuren mit Papageien - zum Teil poetisch präsentiert - sind seit einigen Jahren in Mode gekommen. Papageien werden paarweise oder in Gruppen gehalten. Im Zirkus dienen vergitterte Transportwagen als Volieren auf Rädern.


Bilder - 1: Von der Schweinehaltung im früheren Circus Fliegenpilz können viele Tiere in der Landwirtschaft nur träumen. - 

2: Freifliegende Tauben im Zirkus Charles Knie, vergesellschaftet mit Ziegen und Kängurus. -  3: Ziegen lassen sich zusammen mit vielen Tierarten halten, wie hier im Circus Probst mit Lamas und Emus.


Kamele, Lamas

Als Exoten werden eigentlich sämtliche Huftiere im Zirkus bezeichnet, die aus anderen Kontinenten stammen, teilweise auch europäische Tierarten. "Wild" sind diese Tiere alle nicht, weil die meisten Arten nicht nur im Zoo oder Zirkus geboren wurden, sondern sogar in ihren Heimatländern seit langem domestiziert sind. Der Begriff 'Wildtier' bezeichnet vielmehr die wilde Stammform einer Tierart. So ist das Guanako die 'wilde' Stammform der Lamas. Letztere findet man häufig in reisenden Zirkussen, doch auch Guanakos werden hin und wieder noch gehalten und dressiert. Beide Arten von Neuweltkamelen sind typische Bewohner des südamerikanischen Hochlands und in ihren Nahrungs- und Witterungsansprüchen sehr genügsam. Im Zirkus ist ihre Haltung gut möglich, insbesondere die Lamas gelten als dankbare Pfleglinge. Entsprechend ihrem natürlichen Artverhalten leben sie auch im Zirkus in Sozialverbänden und haben meist Auslaufgehege zur Verfügung. Lamas bekommen im Zirkus regelmäßig Nachwuchs.



Bilder oben - 1: Lamas im Zirkus Charles Knie. - 2Ein Guanako schaut aus dem Stallwagen im früheren Circus Barum. - 3: Lamas im Stallzelt des Circus Krone.


Eindrucksvoll aufgrund ihres Aussehens und ihrer Größe sind die mit den Lamas entfernt verwandten Dromedare und Trampeltiere, die man beide zu den Altweltkamelen zählt. Das Dromedar trägt einen, das Trampeltier zwei Höcker auf dem Rücken; in den Höckern sind Fette gespeichert, die als Energiereserven dienen. Beide Altweltkamele sind in sehr unwirtlichen Wüstenregionen beheimatet: das Dromedar von Afrika bis Arabien, das Trampeltier in weiten Teilen Asiens (russischsprachige Regionen, Mongolei und China). Sie können bis zu 17 Tage ohne Wasser auskommen und vertragen extreme Temperaturen im Plus- und Minusbereich. Ihre Nahrungsansprüche sind dementsprechend bescheiden. Im Zirkus können sie gut im Herdenverband gehalten werden und bringen regelmäßig Junge zur Welt. Auch in kleinen Zirkussen stehen ihnen in der Regel Auslaufgehege zur Verfügung. Kamele sind in ihren Herkunftsländern ein Leben mit Menschen gewohnt und daher im Zirkus gut aufgehoben - immer vorausgesetzt natürlich, dass der Zirkus sich Mühe mit der Haltung gibt. Am häufigsten findet man in Wanderzirkussen Sibirische Trampeltiere, etwas seltener Dromedare.


Bilder: Kamele im Circus Krone (1), im früheren Circus Barum (2) und im Zirkus Charles Knie (3). Überall werden großzügige Gehege angeboten - indes finden sich so weitläufige Zirkusplätze wie beim früheren Circus Fliegenpilz (4) heute kaum noch.


Zebras, Rinder, Antilopen

Die Zebras kommen als Wildpferdform in mehreren Unterarten in den Steppen Afrikas vor. Im Zirkus wird meist das weit verbreitete Steppen- oder Böhmzebra gehalten, gefährdete Arten wie das Grevy-Zebra trifft man nur in Zoologischen Gärten an. Zebras sind scheue Fluchttiere. Daher müssen sie im Zirkus mit viel Geduld an die Manege gewöhnt werden. Ihnen sollte auf jeden Fall ein Freigehege zur Verfügung stehen. Einige Tiere müssen mitunter in getrennten Gehegen untergebracht werden, wenn es z.B. zu Rivalitäts-kämpfen zwischen Hengsten kommt. - Verschiedene Arten von Rindern werden in reisenden Zirkussen mitgeführt, darunter die durch ihre gewaltigen Hörner auffallenden Watussi-Rinder aus Afrika, Zebus und Yaks aus Asien oder die in Osteuropa beheimateten Ungarischen Steppenrinder. Bei allen handelt es sich um domestizierte Arten, die seit Jahrhunderten vom Menschen als Nutztiere gehalten werden und in ihren Ansprüchen genügsam sind. Mit entsprechendem Auslauf finden sie im Zirkus ein adäquates Zuhause. Eng verwandt mit den Rindern sind die Antilopen, die man nur selten in Zirkussen antrifft; am ehesten findet man hier Elen-Antilopen. Die meisten Arten sind für die Haltung und Dressur im Zirkus nicht geeignet.


Bilder oben: Zebras im Circus Krone (mit Kamelen, 1und im Zirkus Charles Knie (2-4).


Bilder: Watussi-Rinder im Zirkus Charles Knie (1) und mit Kamelen im Circus Probst (2). - 3: Zebrafohlen im Circus Probst. - 
4: Selten in Zirkussen zu sehen sind Elenatilopen wie hier in der Mitte des Tierschauzeltes im früheren Zirkus Probst (Ost).


Kängurus, Laufvögel

Kängurus und Emus sind Bewohner der australischen Steppe. Letztere gehören wie der afrikanische Strauß zu den Laufvögeln und bilden somit eine Ausnahme unter den im Zirkus als 'Exoten' zusammengefassten Tierarten. Auch Kängurus sind im Unterschied zu den übrigen Exoten keine Huftiere, sondern gehören zu der recht eigentümlichen Ordnung der Beuteltiere. Sie tragen das bei der Geburt noch unterentwickelte Jungtier längere Zeit im Bauchbeutel, wo es zum "fertigen" Tier heranwächst. Fortschrittliche Zirkusse halten Kängurus und Emus nicht mehr einzeln, sondern paarweise oder in kleinen Gruppen. Ihnen werden Auslaufgehege und ein Stallwagen zur Verfügung gestellt. Ihre Haltung im Zirkus ist recht unproblematisch, zumal beide Arten sogar als Haustiere bei Privatzüchtern anzutreffen sind. Klimatisch stellen sie keine besonders hohen Ansprüche. Strauße werden nur selten in Zirkussen gehalten. Ihnen sollte entsprechend viel Auslauf zur Verfügung gestellt werden.


Bilder: Kebbelnde Kängurus (1-3) und Emu-Paar (4) im Zirkus Charles Knie.


Raubkatzen

Aus den früheren Wandermenagerien sind die so genannten Raubtierzirkusse hervorgegangen. Seitdem gehören Raubtierdressuren zu den Höhepunkten eines klassischen Zirkusprogramms, auch wenn sie heute - vor allem aufgrund der Proteste von Tierrechtlern - in den Manegen selten geworden sind. Raubkatzen sind in ihren Ansprüchen erstaunlicherweise recht genügsam. Schon unter relativ kargen Bedingungen pflanzen sich Löwen, Tiger und Leoparden in Menschenobhut fort. Trotzdem ist es natürlich nicht mehr zeitgemäß, wenn sie in einem nur wenige Quadratmeter großen Käfigabteil leben. Deshalb gibt es heute in den meisten Zirkussen Auslaufveranden und Freigehege. Manche Dompteure geben sich viel Mühe mit der Ausstattung der Gehege (Kratzbäume, Sandstellen usw.). Wichtig sind Rückzugsmöglichkeiten für die Tiere, indem sie z.B. jederzeit im Wagen unterschlüpfen können. Besonders Löwen und Tiger können unter solchen Voraussetzungen adäquat gehalten werden und machen bei Stippvisiten in Tierschauen meist einen entspannten Eindruck. - Löwen sind in Afrika beheimatet (ein kleiner Stamm in Indien), Tiger stammen aus Asien, Leoparden bzw. Panther kommen in mehreren Unterarten auf beiden Kontinenten vor. Letztere trifft man heute nur noch sehr selten in reisenden Zirkussen an. Kaum noch zu sehen, zumindest in Europa, sind amerikanische Pumas und Jaguare.


Bilder oben: Gut ausgestattete Löwengehege von Martin Lacey Jr. im Circus Krone. Viele Raubtierdompteure halten ihre Tiere heute auf vergleichbarem Niveau. Im Bild 2 ist zu sehen, dass manche Tiere trotz geöffneter Tür den Käfigwagen als Liegeplatz bevorzugen. Wärmelampen (3) sollen auch bei kühleren Temperaturen angenehme Bedingungen schaffen. Übrigens schlafen Raubkatzen auch in freier Wildbahn im Schnitt 19 von 24 Stunden am Tag. 


Bilder  - 1:  Löwen und Tiger von Alexander Lacey im Zirkus Charles Knie. - 2+3: Spielende Löwenbabys im Zirkus Charles Knie. Der Käfigwagen hat einen sichtgeschützten Unterschlupf  (3), wo die Mutter auf die Jungen wartet.


Elefanten

Elefanten unterscheiden sich von Nashörnern, Flusspferden und Giraffen - bezogen auf den Zirkus - vor allem darin, dass sie erheblich gelehriger und menschenbezogener sind, daher also mehr von der Dressur profitieren. Zudem können sie im Zirkus in Sozialverbänden gehalten werden. Traditionell zählen Elefanten im Zirkus nicht zu den 'Exoten', sondern werden im Programm als einzelne Tiergruppe aufgeführt. Obwohl auch in früheren Zeiten längst nicht alle Zirkusse Elefanten besaßen, so gehören sie doch neben Pferden und Raubtieren zu den typischsten Zirkustieren und bilden zweifellos Höhepunkte in den wenigen Programmen, in denen sie noch auftreten. Ihre Haltung in Zirkusbetrieben hat sich gegenüber früher stark verbessert: Sie werden höchstens noch nachts, zur Säuberung oder während der Fütterung angekettet (oder vielmehr angeseilt) und können sich ansonsten in Innenpaddocks (Freilaufbereiche im Stallzelt) und/oder Außenpaddocks (eingezäunten Bereichen auf dem Platz) frei bewegen. Einige Zirkusse halten ihre Elefanten in einem stets begehbaren Innen- und Außengehege. Wenn es die Platzverhältnisse erlauben, dürfen die grauen Riesen schon mal auf Wiesen auslaufen oder in einem nahe gelegenen Fluss baden. Beliebt sind ferner Aktionen wie das "Elefantenfrühstück" im Gastspielort, das natürlich vor allem der Werbung dient, den Tieren aber auch Abwechslung bietet. Als Mindeststandard für die Haltung von Zirkuselefanten sollte ein Niveau wie im deutschen Circus Krone angestrebt werden.



Bild oben: Elefanten des Circus Krone im Außenpaddock. Im Hintergrund das moderne und geräumige Stallzelt.



Bilder - 1+2: Elefanten im Außenpaddock des Circus Krone bewerfen sich mit Sand und fressen Zweige. - 3: Nur zur Fütterung oder Körperpflege werden die Tiere aus Sicherheitsgründen angeseilt, was völlig ruhig vonstatten geht. 


Dennoch halten kritische Stimmen gegen Elefanten im Zirkus an - teilweise zu Recht. In manchen Unternehmen werden die sozialen Riesen immer noch einzeln gehalten, was die Leitlinien zur Haltung von Zirkustieren ausdrücklich ablehnen. Die Ansprüche an die Elefantenhaltung sind enorm gestiegen, was an den modernen Anlagen der Zoos sichtbar wird. Beide Elefantenarten - der Afrikanische und der Asiatische Elefant - gehören zu den stark gefährdeten Landsäugetieren. Umso dringlicher scheint ihre Zucht in menschlicher Obhut. Die Zoos stellen sich dieser Herausforderung, indem sie sich auf die Haltung und Zucht einer Elefantenart spezialisieren. Dazu bedarf es großer, gut ausgestatteter Anlagen. Die Bullen müssen außerhalb der Paarungszeit in separaten Gehegen untergebracht werden. Eine solch aufwendige Haltung in zuchtfähigen Gruppen ist in reisenden Zirkussen kaum möglich.


Als der Schweizer Nationalcircus Knie und der frühere US-amerikanische Mammut-Circus Ringling Brothers and Barnum & Bailey noch mit Elefanten reisten, betrieben beide Unternehmen auch die Zucht von Elefanten. Sie hielten ihre Stammherde in eigenen stationären Tierparks. Amerikas Traditions-Zirkus galt sogar als der erfolgreichste Elefantenzuchtbetrieb weltweit! Dennoch haben sich die Tierrechts-gruppen mit ihren Protesten gegen Elefantenhaltung besonders diese beiden Zirkusse vorgenommen, um die vorbildlichen Marktführer zu Fall zu bringen und danach umso mehr Argumente gegen kleinere Zirkusse in der Hand zu haben. In beiden Fällen ist die Rechnung aus Sicht der Tierrechtler gewissermaßen aufgegangen: Der amerikanische Ringling-Circus hatte nach dem Verzicht auf Elefanten weiter rückläufige Zuschauerzahlen und erklärte schließlich (2017) das Ende des Zirkus.  Der Schweizer Circus Knie nimmt seit 2016 keine Elefanten mehr mit auf Tournee, hält aber nach wie vor seine Zucht-Herde im eigenen Zoo in Rapperswil bei Zürich. 



Bilder oben  1+2: Asiatische Elefanten im lichten Stallzelt des Schweizer Circus Knie. Heute führt Knie keine Elefanten mehr mit. - 3: Afrikanische Elefantenkuh im früheren Circus Fliegenpilz, vorne rechts ihr Trainer Lars Hölscher. 

Bilder unten: Elefanten im Circus Carl Busch (1+2) und im früheren dänischen Cirkus Benneweis (3)



Ein anderes mögliches Modell präsentiert ein Teil der weit verzweigten Zirkusfamilie Frank alias Frankello im mecklenburgischen Platschow (Landkreis Ludwigslust-Parchim). Dort betreiben die Frankellos, die mit ihren Elefanten- und Seelöwendressuren schon Preise beim Circusfestival von Monte Carlo gewonnen haben, ihren eigenen Elefantenhof (hier klicken zum Link), der gerne von Touristen aufgesucht wird. Die Frankellos haben eine zuchtfähige Gruppe mit Afrikanern aufgebaut. Sie bilden die Tiere für Dressuren aus und werden von Zirkussen, Festivals und Fernsehshows gebucht. Solche "Basis-Stationen", von denen aus Tierdressuren an reisende Zirkusse vermietet werden, sind ein denkbarer Weg, wie auch in Zukunft Elefanten in Zirkusmanegen präsentiert werden könnten. Nichtsdestotrotz werden sich Elefantenfreunde unter den Zirkusfans daran gewöhnen müssen, dass die Dickhäuter zu einer Seltenheit in Manegen werden, zumal die jetzt noch in Zirkussen befindlichen Tiere mit der Zeit sterben. Direktimporte sind zu Recht verboten und Nachzuchten eher selten. 


Weitere 'Exoten': Nashörner, Flusspferde, Giraffen 

Zu den im Zirkus als 'Exoten' mitgeführten Tieren gehören selten noch Nashörner, Flusspferde und Giraffen. Die imposanten Großsäuger werden aus Platz- und Sicherheitsgründen meist einzeln gehalten, Giraffen auch paarweise. Das Erscheinen der großen Tiere in der Manege ist vor allem für Kinder stets beeindruckend, und zumindest die Bullen dieser Arten sind in freier Wildbahn überwiegend Einzelgänger (bei den Nashörnern leben sogar beide Geschlechter die meiste Zeit einzelgängerisch bzw. die Weibchen mit ihren Jungtieren). Dennoch ist ihre Einzelhaltung nicht wirklich artgerecht, und der Platz im Zirkus ist nun mal begrenzt. Allerdings lassen sich ältere, einzeln gehaltene Nashörner und Flusspferde kaum mehr mit Artgenossen vergesellschaften, weil sie als langjährige 'Singles' sozial unverträglich sind. Ein solches altes Zirkus-Nashorn hält z.B. der Circus Krone als großes Unternehmen unter vorbildlichen Bedingungen, In Zukunft sollten aber reisende Zirkusse auf Neuanschaffungen von Nashörnern, Flusspferden, vielleicht auch Giraffen, verzichten. Besondere Dressurkunststücke können diese Arten ohnehin nicht aufführen.



Bilder - 1: Giraffe in Gemeinschaftshaltung mit Zebras und Guanakos im ehemaligen Circus Fliegenpilz. - 2+3: Früher hielt sogar der recht kleine Circus Europa Giraffen. - 4: Nashornbulle Tsavo bei der Mahlzeit im Circus Krone. Zusätzlich zum Zelt kann der den Auslauf (5) nutzen. Er wurde vom früheren Circus Barum übernommen und hat bereits ein stolzes Alter.


Robben

Relativ aufwendig für einen reisenden Zirkus ist die Haltung von Seelöwen oder Seebären. Diese zu den Ohrenrobben gehörenden Wasserraubtiere benötigen ausreichend Platz zum Schwimmen und täglich frischen Fisch. Wenn sich ein Zirkus oder Dresseur zur Robbenhaltung entschließt, sollten die Wasserbassins ausreichend groß sein, auch wenn dies mit hohen Kosten verbunden ist. Im Transportwagen sollte ein zweites, kleineres Becken zur Verfügung stehen. In der Manege werden Robben in der Regel ohne Wasser präsentiert, es sei denn, ein Zirkus reist mit dem Konzept "Circus unter Wasser", bei dem die Manege in ein Bassin verwandelt wird. Die Ohrenrobben eignen sich gut für die Dressur, da sie sehr gelehrig sind und ihre Hinterflossen unter den Körper schieben können, was Hundsrobben wie Seehunden nicht möglich ist. Dadurch sind Ohrenrobben auch an Land sehr geschickt. In gut geführten Zirkussen fühlen sie sich durchaus wohl und bringen manchmal sogar Jungtiere zur Welt. Einige Dresseure halten Zirkus-Seelöwen in offenen Becken, aus denen die Tiere jederzeit weglaufen könnten, was sie aber trotzdem nicht tun! - Ob Pinguine noch in Zirkussen dressiert werden, wie ich es vor Jahren schon gesehen habe, ist mir nicht bekannt. Ich halte sie nicht für geeignete Manegentiere.


Bilder - 1+2: Kalifornische Seelöwen der Familie Duss im Circus Krone. Erstaunlich: Die Tiere konnten sich bei meinem Besuch frei auf dem Zirkusgelände bewegen, entfernten sich aber nie weit von ihrem Wasserbecken! - 3: Seelöwe sonnt sich am Beckenrand im früheren Circus Fliegenpilz.


Bären

Dressierte Bären - namentlich Braunbären - wurden schon lange vor der Entstehung des neuzeitlichen Zirkus von reisenden Gauklern vorgeführt. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich in mehreren Unterarten über Europa, Nordamerika und Asien. In westeuropäischen Zirkussen kommen sie heute kaum noch vor, in Osteuropa und Russland sind sie hingegen regelmäßig in Manegen zu sehen. Für ihre Haltung sollte man auf jeden Fall Gehege mit Strukturelementen (z.B. Baumstämmen) an die Käfigwagen koppeln. Ich persönliche bewerte die Haltung von Braunbären im Zirkus zwiespältig: Einerseits sind sie gelehrig und durchaus menschenbezogen, ihre Dressur bezaubert mich als Zirkusfreund unbestritten. Andererseits gelten sie als ruhe- und auslaufbedürftig, und da sie in der Manege meist ohne Käfig an der Longe geführt werden, müssen ihnen Maulkörbe angelegt werden, was eine oftmals heikle Angelegenheit ist. Bären sind zudem unberechenbar; ihre Mimik kündigt (anders als die von Raubkatzen) einen bevorstehenden Angriff nicht an. Vielleicht ist es gut, dass in unseren heimischen Zirkussen die Bären inzwischen eine Ausnahme sind. - Weitgehend verschwunden aus Zirkusmanegen sind asiatische Kragenbären, die früher manchmal mit eingebunden wurden, sowie Eisbären aus dem Nordpolargebiet. Die Haltung von Eisbären in reisenden Zirkussen lehne ich ab, da sie viel Auslauf und Wasser zum Schwimmen benötigen und ihre Zucht viel schwieriger ist als bei Raubkatzen.


Affen
Während früher Dressuren mit Schimpansen sehr verbreitet waren (in Tierschauen reisten früher auch Gorillas und Orang-Utans mit), kommen Menschenaffen in den Zirkussen Westeuropas so gut wie nicht mehr vor. Der Circus Belly von Klaus Köhler kämpft um den Verbleib seines Schimpansen "Robby", der auf den Direktor als Bezugsperson total fixiert ist und nach Jahrzehnten Zirkusleben nicht mehr in eine Gruppe von Artgenossen integriert werden könnte. Tierlehrer, die mit Menschenaffen gearbeitet haben, beschreiben sehr positive Erfahrungen mit den Tieren, da sie neugierig auf die ständig wechselnden Zirkusplätze reagierten und die Dressur willkommene Anreize für ihr intelligentes Wesen böte. Ich möchte dies als Außenstehender nicht in Frage stellen. Demgegenüber stehen jedoch Einschätzungen aus zoologischen Kreisen, die Menschenaffen als hochsensible Tiere nur sehr anspruchsvollen Haltungs-bedingungen anvertrauen wollen. Deshalb scheint mir der Trend richtig zu sein, Menschenaffen nicht mehr in Zirkussen mitzuführen. - Verschiedene Arten von Kleinaffen scheinen für die Dressur geeignet. Ein Beispiel sind die dressierten Paviane von Maike und Jörg Probst, die allerdings inzwischen im Tierpark der Familie leben. Manche Zirkusse führen noch Affen zu reinen Schauzwecken in der Tierschau mit, z.B. Makaken wie Schweinsaffen. In solchen Fällen sollten neben abwechslungsreicher Ernährung hochwertig ausstaffierte Käfigwagen mit genügend Auslauf zur Verfügung stehen.


Bilder - 1+2: Der kleine Affe im Circus Europa konnte sich bei unserem Besuch frei außerhalb seines Käfigs bewegen, entfernte sich aber nie weit davon. - 3: Affenkäfig mit Kletterbäumen im Schweizer Nationalcircus Knie im Jahr 2010. Durch die Verbindung mehrerer Käfige miteinander entstand mehr Platz. Trotzdem führt Knie heute keine Affen mehr mit. 


Schlangen, Krokodile, Spinnentiere

Manche Zirkusse und Artisten warten mit Riesenschlangen oder sogar Alligatoren auf, die einen Schauder bei vielen Zuschauern auslösen. Die großen Reptilien sind wechselwarm, das heißt ihre Körpertemperatur passt sich der jeweiligen Umgebungstemperatur an. Deshalb brauchen diese Tiere einen gewissen Grad an Wärme, um sich bewegen und überleben zu können. Sie müssen in entsprechend großen und gut temperierten Terrarien mit Wasserbecken gehalten werden. Bei der Größe eines Alligators ist das im Zirkus nicht ganz einfach zu realisieren, während es bei Schlangen unkomplizierter ist. Insgesamt finde ich solche Tierarten unpassend für eine Zirkusmanege, wobei sich Schlangen mitunter in ein orientalisches Schaubild gut einbinden lassen. - Vereinzelt werden in Zirkusnummern sogar Vogelspinnen und Skorpione gezeigt, die in der Haltung zwar nicht viel Platz benötigen, im Zirkus aber für meinen Geschmack nicht angebracht sind, da mit ihnen vordergründig Gruseleffekte erzeugt werden sollen.



Bilder: Manegen-Darbietungen mit Schlangen und Alligatoren, wie hier früher im Circus Belly, sind sicher Geschmacksache. Natürlich werden die Tiere hinter den Kulissen im beheizten Terrarium (im Zirkuswagen) gehalten.