Bedeutende Zirkusse in Westeuropa (Auswahl)



Belgien


Cirque Alexandre Bouglione

Der belgische Cirque Alexandre Bouglione ist nicht zu verwechseln mit dem großen Bouglione-Circus in Frankreich (s. unten). Dennoch ist das mittelgroße Unternehmen eine bedeutende Adresse in Belgien, wo es keine Großzirkusse gibt. Neben Familien-nummern treten hier einige hinzuengagierte Artisten auf. Im Herbst und/oder Winter finden traditionell längere Gastspiele  in der Hauptstadt Brüssel statt, für die das Programm dann international aufgestockt wird. 

 


Frankreich


Die Zirkuslandschaft in Frankreich ist bisher noch recht gut aufgestellt. In dem Nachbarland reisen nach wie vor einige nennenswerte Großzirkusse mit internationalem Programm. Da Tiernummern in Frankreich bislang ohne Einschränkung zugelassen sind, werden in vielen Zirkussen klassische Komplettprogramme mit Tieren, Clowns und Akrobaten gezeigt. Zur Herbstzeit wird der Großraum Paris jedes Jahr zu einer Hochburg der Zirkuskunst, da hier dann gleich mehrere große Zirkusse präsent sind, allein die Familie Bouglione (s. unten) mit mehreren Shows an verschiedenen Orten.


Alexis Gruss

Der früher als französischer Nationalcircus firmierende Zirkus der traditionellen französischen Zirkusfamilie  Alexis Gruss (s. auch Arlette Gruss) präsentiert hochklassige Programme mit Pferdedressuren und Artistik aus der eigenen Familie - sie ist v.a. für die Pferdedarbietungen seit langem bekannt (mit Höchstpreisen auf Festivals) - , aber auch mit Artisten aus dem Umfeld des Nouveau Cirque, der in Frankreich sehr starken Richtung des "Neuen Zirkus". Insofern vermag Alexis Gruss auf interessante Weise verschiedene Traditionen der Branche miteinander zu verbinden, die sich in anderen Ländern und Regionen teils konträr gegenüberstehen. - Weitere Informationen folgen hier zu gegebener Zeit.


Cirque Amar

Der traditionsreiche französische Cirque Amar (ursprünglich gegründet von den Brüdern Amar) wird nach mehreren Besitzerwechseln und verschiedenen Lizenzen für die Namensrechte seit längerem von der Familie Falck geleitet. Sie versucht dem Unternehmen neuen Glanz im Stil des klassischen Zirkus zu verleihen. Mit aufwendigem Material präsentiert der Zirkus ein gehobenes Programm inklusive Orchester. In den letzten Jahren waren hier ein paar starke Nummern zu sehen.


Cirque Arlette Gruss

Der Cirque Arlette Gruss (seit 1986) gehört einem Zweig der französischen Zirkusfamilie (s. auch Alexis Gruss, unten). Man reist seit einigen Jahren mit einer imposanten Zeltstadt und inszeniert die Programme meistens in einem übergreifenden Kontext. Die Regie lehnt sich hierbei an Elemente des Cirque du Soleil an. Zeitgemäß zusammengestellt und mit moderner Technik unterstützt, werden hier die drei Säulen des klassischen Zirkus - Akrobaten, Tiere, Clowns - gepflegt. Die Shows sollen von einem hervorragenden Orchester begleitet sein. Der Besuch des Unternehmens ist auch bei weiterer Anfahrt zu empfehlen.


Cirque d'Hiver Bouglione

(Paris und Tournee)

Der Winterzirkus (Hiver franz. = Winter) der Familie Bouglione - einer der bekanntesten Zirkusfamilien Europas - steht inzwischen für mehrere Shows, von denen drei in Paris gezeigt werden. Die neueren Bouglione-Produktionen laufen nur im Herbst (Nov./Dez.), die "Hauptshow" dagegen jedes Jahr von Oktober bis März im wunderschönen Pariser Festbau der Bougliones (s. Bild), der 1852 von Louis Déjean (im Beisein Napoleons III.) als Cirque Napoléon eröffnet und 1934 von den Brüdern Bouglione gekauft wurde. Dieser älteste noch existierende Zirkusbau der Welt diente u.a. als Originalkulisse für den US-Spielfilm Trapez mit Burt Lancaster. Die Bougliones zeigen hier klassischen Zirkus mit Tieren, Clowns und Akrobaten, einem großen Orchester und Ballett. Gelobt wird zudem die gute Lichtregie, die im eindrucksvollen Innenraum mit seinen steilen Rängen toll zur Geltung kommt. Der Zirkusbau atmet Geschichte, er enthält auch ein Privatmuseum mit historischen Ausstellungsstücken.- Und: seit 2016 gehen die Bougliones nach langer Pause wieder im Sommer mit einer klassischen Zeltshow auf Tournee. Auch hier wird in gehobenem Ambiente ein respektables Programm geliefert. Das Pariser Zirkusgebäude wird in dieser Zeit für andere Veranstaltungen vermietet (wie der Zirkus-Krone-Bau in München).


Cirque Medrano

(Raoul Gibault)

Der Name Medrano taucht(e) in verschiedenen Ländern immer wieder als Name für reisende Zirkusse auf. Früher gab es in Frankreich einen großen Festbau-Circus unter diesem Namen. Der heutige französische Zirkus unter der Leitung des Produzenten Raoul Gibault ist ein schnell reisendes Unternehmen mit wechselnd starken Programmen, das sich aber dem klassischen Circus mit seinen Elementen verschrieben hat. Gibault schickt inzwischen mehrere Geschäfte auf Reisen, darüber hinaus präsentiert er Weihnachtscircusse und Gala-Events in verschiedenen französischen Städten. Verlinkt habe ich hier nur die Webseite des Stamm-Unternehmens. Eventuell findet man dort auch Links zu anderen Produktionen.


Cirque Pinder

(Jean-Richard)

Der Cirque Pinder, gegründet 1854 von Jean-Richard Pinder, ist einer der ältesten Reisezirkusse der Welt. Bis heute ist das Unternehmen ein typischer Großzirkus, der zudem sehr schnell reist (meist nur 1 Tag pro Gastspielort). Daher wird auf liebevolle Innenausstattung verzichtet. Auch ein Orchester fehlt leider. Die ganze Inszenierung hat laut Berichten von Circusfreunden einige Schwächen, die aber durch die Stärke der Nummern ausgeglichen werden. Der heute von Gilbert Edelstein geführte Circus bietet Programme mit großen Artisten- und Tiernummern, klassischen Clowns und häufig auch Illusionsnummern. Junior-Chef Frédéric Edelstein präsentiert eine große Raubtiergruppe, meistens sind auch Artistentruppen mit von der Partie.

 


Großbritannien


Auch wenn der neuzeitliche Zirkus von Beginn an in mehreren Ländern Europas seine Blüten trieb, so waren es doch englische Kunstreiter, die im 18. Jahrhundert die ersten Zirkusse schufen. Insofern kann man Großbritannien durchaus als Mutterland nicht nur des Fußballs, sondern auch des Zirkus bezeichnen. Gemessen an dieser historischen Bedeutung ist die Zirkuslandschaft in Großbritannien heute recht dünn geworden, auch im Vergleich zu manchen anderen europäischen Ländern. Zirkusse mit Tieren - zumindest mit exotischen - gibt es in Großbritannien so gut wie gar nicht mehr, weil die Tierrechtler im Inselstaat besonders aggressiv gegen klassische Zirkusse vorgegangen sind (bis hin zu Körperverletzung) und ihre Lobby politisch gut vertreten ist. Auf den meisten öffentlichen Plätzen in Großbritannien sind Gastspiele von Tierzirkussen inzwischen verboten, so dass diese auf private Plätze ausweichen müssten. Von den vier im folgenden Abschnitt verlinkten britischen Zirkussen geht einer deshalb nicht mehr auf Tournee.


Blackpool Tower Circus

(Zirkusbau in Blackpool)

An der britischen Westküste zur Irischen See liegt der traditionsreiche Badeort Blackpool. Markantes und weithin sichtbares Wahrzeichen ist der 1894 eröffnete Blackpool Tower mit seinem 158 m hohen Stahlturm im Stil des Eiffelturms. Der Veranstaltungskomplex am Fuße des Turms wurde im gleichen Jahr eröffnet. In seinem Kern befindet sich ein recht eindrucksvoller Zirkusbau, der zu den wenigen historischen Zirkusgebäuden gehört, die bis heute erhalten sind. Seit 1894 laufen hier kontinuierlich Zirkusshows, seit 1990 allerdings ohne Tiere, da die Bestimmungen diesbezüglich in Großbritannien sehr streng sind. Seit 1992 wird der Zirkus von der ungarisch-britischen Zirkusfamilie Endresz geführt. Die Junioren sind als Clowns im Programm zu erleben. Ansonsten tritt ein internationales Artistenensemble auf, begleitet von einer Live-Band. Zum Finale wird die Manege traditionell mittels eines hydraulischen Systems in ein Wasserbassin mit Fontänen verwandelt. - Es gibt nur eine Webseite des gesamten Towers, dort findet man eine Rubrik über den Zirkus. Oft laufen nur tagsüber Vorstellungen, in einigen Saisonzeiten und samstags auch abends.


Giffords Circus

Eine spezielle Adresse unter den britischen Zirkussen ist der seit 2000 von Nell und Toti Gifford (beide ursprünglich von privat) geführte Giffords Circus, der im Sommer mit einem kleinen 2-mastigen, lichtdurchlässigen Zelt aus Baumwolle (Fassungs-vermögen ca. 360 Zuschauer) auf Tournee geht. Ebenso wie das Zelt, so ist auch der Fuhrpark dieses hochprofessionell geführten Zirkus bis ins Detail stilvoll und nostalgisch gestaltet. Die Programme werden jedes Jahr nach einem bestimmten Thema durchinszeniert, mit eigens dafür bestellten Kostümen und komponierter Musik. Eine hochkarätige Band spielt Variationen über Jazz, Klassik und Folklore. In der kleinen 8-m-Manege treten leistungsstarke Artisten auf, auch einige Pferdedarbietungen (und je nach Produktion ein paar Kleintiere) sind zu sehen. Nach der Show kann man in einem benachbarten Zelt ein Qualitätsmenü genießen.


Zippos Circus

Der als Clown Zippo seit den 1970er Jahren bekannte Martin Burton leitet seit 1986 seinen eigenen Zirkus. Das recht erfolgreiche Unternehmen legt weite Reisedistanzen auf der britischen Insel zurück und bietet eine Mischung aus klassischem Zirkus und innovativen Darbietungen, z.T. aus eigener Kreation. Man war auch schon mit zwei Geschäften gleichzeitig auf Tournee (1 Show dann ohne Tiere). An Tierdressuren sind im Kerngeschäft meistens Pferde, Wellensittiche und evtl. noch einige Haustiere zu sehen. Hinzuengagiert wird eine Reihe guter internationaler Artisten. Live-Musik gibt es seit längerem nicht mehr. In den Wintermonaten verweist die Webseite auf den von Zippos Circus präsentierten Weihnachtscircus. - Groteskerweise hat es selbst vor Zippos Circus (mit Wellensittichen und Pferden in großzügigen Stallboxen) schon Demos von Tierrechtlern gegeben.

 


Irland


Über die irischen Zirkusse sind wir als Betreiber dieser Webseite bislang leider unzureichend informiert. Es gibt in dem Land insgesamt nur wenige Tourneezirkusse, von denen wohl keiner ein wirklicher Großzirkus ist. Jedoch reisen mit Tom Duffys und Fossett's Circus zwei traditionelle, angestammte Unternehmen, die auch internationale Artisten unter Vertrag nehmen.


Fossett's Circus

Fossett's Circus wirbt als "Irischer Nationalcircus" mit einer Tradition seit 1888. Die Historie lässt sich auf der Webseite nachlesen, die ansonsten nicht besonders informativ ist. Das Familienunternehmen engagiert für seine Programme einige Artisten hinzu, wobei es sich nach unserer Internet-Recherche um ein recht  überschaubares Ensemble handelt. Die Präsentation wirkt aber in Video-Ausschnitten ansprechend. Live-Musik gibt es nicht. Seit 2006 präsentiert Fossett's Circus einen Weihnachtscircus in Dublin - den ersten in Irland überhaupt.


Tom Duffys Circus

Tom Duffys Circus ist etwas größer als Fossett's Circus und dürfte momentan der größte reisende Zirkus in Irland sein. Er engagiert einige internationale Artisten hinzu, darunter teilweise Truppen. Das klassische Programm (an Tieren gibt es Pferde und Hunde) bietet auch Reiterkunststücke. Raubtiere sind inzwischen nicht mehr dabei. Auch ein Orchester scheint nicht mehr vorhanden zu sein.  Nach Web-Videos zu urteilen, kommt in den Shows gute Zirkusatmosphäre auf.


Niederlande


In den Niederlanden gibt es seit dem Jahr 2015 außer sporadischen Tourneen des Österreichers Louis Knie keinen wirklich großen Tournee-Zirkus mehr, wohl aber einige sehenswerte kleinere Unternehmen sowie mehrere große Weihnachtszirkusse, die wir unter Weihnachtszirkussen in Nachbarländern (s. Menü links) verlinkt haben. Der letzte verbliebene Großzirkus des Landes, der als Niederländischer Nationalcircus reisende Circus Herman Renz, wurde 2015 wegen Steuerschulden von den Behörden aufgelöst. Er ist allerdings wieder erstanden und präsentiert in Haarlem eine Weihnachtsshow (s. Weihnachtszirkusse). Ebenfalls 2005 erließ die niederländische Regierung ein Verbot "wilder" Tiere in reisenden Zirkussen. Eine Positivliste erlaubt weiterhin das Mitführen bestimmter Tierarten wie Pferde, Hunde, Katzen, Kamele, Lamas, Kühe, Rinder und Ziegen. Für einige deutsche Zirkusse, die viele Jahre in den Niederlanden reisten, hatte das Verbot z.T. dramatische Folgen, weil ihre Elefanten in die Stammquartiere nach Deutschland gebracht werden mussten, wo ein Tier infolge der Veränderung starb und ein anderes vorübergehend krank wurde. Der Elefant der Familie Freiwald durfte daher wieder in die Niederlande geholt werden, wo er mit Ausnahmegenehmigung vorerst weiter mit der Zirkusfamilie reist, aber nicht mehr auftreten darf - trotz Protesten aus der Bevölkerung. Der deutsche Circus Belly Wien hat 2016 sein Tourneegeschäft in den Niederlanden beendet.


Circus Freiwald

(deutsche Zirkusfamilie)

Neben den beiden Renz-Zirkussen (s. unten) reist die Familie Freiwald seit langem in den Niederlanden. Da der Zirkus bei uns neu verlinkt ist, folgen weitere Infos zur gegebenen Zeit.


Circus Louis Knie - Hillenaar Events  

 (Zirkusdirektor aus Österreich; Teil-Tourneen in Österreich!)

Louis Knie Junior ist ein erfolgreicher Sprössling aus der bekannten Schweizer Zirkusfamilie. Schon vor vielen Jahren hatte sich ein Zweig der Familie in Österreich niedergelassen (der Ur-Vater der Knie-Dynastie stammte übrigens auch von dort). Weil der Circus Louis Knie in Österreich zwischenzeitlich nicht gut lief, hat Louis Knie jun. wechselnde Produktionen ins Leben gerufen, so auch Zirkus-Tourneen in Deutschland und den Niederlanden sowie den Wintercircus in Utrecht (s. Weihnachtszirkusse in Nachbarländern). Für die niederländischen Produktionen besteht seit 2016 eine Kooperation mit dem Veranstalter Hillenaar Events, der den Circus Louis Knie nun im Nachbarland präsentiert. Zwischendurch geht Louis Knie immer wieder auch in Österreich auf Tournee. Da dort wie in den Niederlanden keine "Wildtiere" mehr auftreten dürfen, reist dieser Zirkus nur noch mit Pferden und Haustieren; die Pferde werden von Louis Knie selbst dressiert. Im Programm ist ansonsten ein zahlenmäßig überschaubares Ensemble recht guter internationaler Artisten zu sehen. Ein Schlagzeuger sorgt für Live-Effekte. Wegen der wechselnden Tourneen ist auf der allgemeinen Louis-Knie-Webseite meist kein Programm zu finden; entsprechend wird auf die Facebook-Präsenz verwiesen sowie auf die Webseite von Hillenaar Events, die wir hier ebenfalls verlinkt haben.


Circus Renz Berlin

Circus Renz International

(deutsche Zirkusse)

Die beiden traditionellen deutschen Reisezirkusse der Familien Bernhard Renz (Renz Berlin) und Franz Renz (Renz International) sind trotz des niederländischen Tierverbots noch im Nachbarland auf Tournee. Beide Zirkusse reisen mit großem Zelt und breitgefächertem Nummernrepertoire, bieten als Familienzirkusse ein ansprechendes Programm. - Sämtliche Renz-Zirkusse berufen sich bezüglich ihrer Tradition gerne auf den berühmten Berliner Zirkus  von Ernst Jakob Renz, der im 19. Jahrhundert Weltruhm genoss. Ob hier wirklich  Verbindungen bestehen, ließe sich nur mit Hilfe von Namensregistern oder dem Wissen von Zirkushistorikern nachprüfen. In den Niederlanden hat der Name seit langem einen guten Ruf. Dort gastierte bis 2014 auch der Großcircus Hermann Renz.


Circus Sijm

Recht kleiner, aber sehr feiner Zirkus mit Qualitätsnummern im Programm. Da das Unternehmen bei uns neu verlinkt ist, folgen weitere Informationen zu gegebener Zeit.