Bedeutende Zirkusse in Osteuropa (Auswahl)


Bulgarien


Circus Balkanski

Цирк Балкански

Der Circus Balkanski geht in Bulgarien und immer wieder auch in anderen Ländern auf Tournee. In manchen Jahren zeigte das Unternehmen internationale Programme von gehobener Qualität, über die aktuellen Programme ist mir kaum etwas bekannt. Der Name Balkanski ist in der Zirkuswelt und insbesondere in Deutschland durch die gleichnamige Schleuderbrettgruppe bekannt geworden, die im letzten Jahrhundert 14 Jahre lang im Circus Krone arbeitete, bei Circusfestivals auftrat und mit ihren spektakulären Leistungen Rekorde aufstellte. Alexandar Balkanski, ehemals Mitglied der Truppe, gründete im Jahr 2000 in seinem Heimatland den Circus Balkanski, der wegen seiner Bedeutung dort auch als eine Art bulgarischer Nationalcircus betrachtet werden kann. Der Name Balkanski wird auf der teilweise englischen Webseite durchweg in lateinischer Schrift präsentiert, daher habe ich das im Link so übernommen.


Polen


Cyrk Korona

Der Cyrk Korona gehört zu den größeren Reisezirkussen in Polen. Er bietet klassische Programme mit einem kleinen, aber internationalen Ensemble. Es sind wohl immer ein paar leistungsstarke Artistik-Darbietungen dabei, außerdem einige Tiernummern, teilweise auch Raubtiere. Außer einem Schlagzeug für Live-Effekte kommt die Musik anscheinend vom Band. Das Unternehmen ist Mitglied in der European Circus Association (ECA) und präsentiert in Warschau zu bestimmten Terminen ein Zirkusfestival mit relativ großem, internationalem Programm.


Cyrk Zalewski

Der Cyrk Zalewski ist der zweite größere Reisezirkus in Polen. Auf der ausführlichen Webseite findet man einen Link zur European Circus Association (ECA). Außerdem veranstaltet das Unternehmen - ebenso wie Cyrk Korona - ein ansehnliches Zirkusfestival in Warschau. Die Saison-Programme sind ähnlich wie bei Korona mit einem überschaubaren, internationalen Ensemble besetzt. Ebenso wie die Konkurrenz gibt es scheinbar nur ein Schlagzeug (und evtl. ein Keyboard), aber kein Orchester. Weitere Infos werden ggf. ergänzt.


Rumänien

Globus Circ & Variete

(Bukarest)

In einem Park in Bukarest steht seit 1960 ein großer Zirkusbau (ca. 3.000 Plätze), der seit 1998 von der Choreographin Brindusa Novac geleitet wird. Sie hat den Anspruch, Zirkuskunst mit anderen Kunstformen verschmelzen zu lassen und dem Publikum thematisch inszenierte Programme zu bieten. So liefen in den letzten Jahren ziemlich hochkarätige Shows, die mit einer großen Ballett-Truppe, vielen hauseigenen Artisten sowie z.T. hinzuengagierten Kräften besetzt waren. Es wird im Prinzip klassischer Circus gezeigt (Artisten, Tiere, Clowns/Komik), teilweise aber in sehr moderner Verpackung. Je nach Programm gibt es unterschiedliche Musik, es spielten schon Rock- und Folklore-Bands. Im Globul Circus, wie der Bau auch genannt wird, arbeiten mehr als 100 Menschen, davon ca. 80 Artisten, die in verschiedenen Disziplinen ausgebildet sind und auch von anderen europäischen Zirkussen engagiert werden. Der Globus Circus wird größtenteils vom Staat finanziert, er ist der Stadt Bukarest unterstellt. Brindusa Novac hat in der Hauptstadt auch einen Studiengang für Zirkuskunst ins Leben gerufen. Besonderes Highlight im Globus-Circus ist das seit einigen Jahren veranstaltete Festival der Circuskunst, bei dem nicht einzelne Artisten, sondern ganze Programme von europäischen Zirkussen in verschiedenen Kategorien und mit Hauptpreisen für die Gesamtleistung bewertet werden.


Tschechien

Cirkus Humberto

Der für Zirkusfreunde sicher klangvolle Name Humberto bezeichnete einst einen bekannten Teil des tschechischen Staatscircus zu Zeiten des Sozialismus. Eine Familie Navratil - übrigens ein häufiger Name unter tschechischen Zirkus-familien - hat die Namensrechte erworben und führt heute dieses mittelgroße Unternehmen, in dessen Programmen eine zweite Familie Navratil sowie ganz wenige hinzuengagierte Artisten auftreten. Dennoch wird hier insgesamt ein durchaus reichhaltiges und teilweise leistungsstarkes Programm geboten. Wie in den meisten klassischen Zirkussen Tschechiens treten noch Braunbären auf. Übrigens reist auch in Deutschland ein kleiner Zirkus unter dem Namen Humberto.



Národni Cirkus Originál Berousek

(Nationalcircus Original Berousek)

Die Berouseks gehören zu den bekanntesten Zirkusfamilien in Tschechien. Ihre Tradition reicht Jahrhunderte zurück, schon früher besaßen Vorfahren eigene Zirkusse. In der sozialistischen Ära wurde der Zirkus von Jirí Berousek mehrfach enteignet, die Familie war aber mit den international bekannten Bärendressuren im Ausland - u.a. bei Ringling in den USA - engagiert. 1990 gründete Jirí Berousek den ersten tschechischen Privatzirkus nach der politischen Wende. Er wurde 2002 vom Kulturminister zum "Nationalcircus" berufen und erhielt 2009 den Hauptpreis beim Circusfestival in Bukarest. Der Original Circus Berousek gehört zu den größeren reisenden Zirkussen in Tschechien, wo kaum wirkliche Großcircusse existieren. Viele Nummern bei Berouseks - so die hochwertigen Tierdressuren - werden von der Familie selbst präsentiert, vor allem von Jirí Junior und seiner Frau, die das Unternehmen weiterführen. Daneben werden auch einige Artisten und Clowns hinzuengagiert. Trotz fehlender Live-Musik wird das Programm in der Circuszeitung 2011 "mit Klasse und Liebe zum Detail" beschrieben. In der Nähe von Prag dient ein ehemaliges Schlösschen als Winterquartier, wo die Tiere (u.a. einige Bären) adäquat untergebracht sind.


Ungarn

In Ungarn genießt die Zirkuskunst seit langem einen hohen Stellenwert und erfährt von politischer Ebene Wertschätzung als Kulturgut. Laut Experten gibt es in den letzten Jahren eine interessante zweigeteilte Entwicklung: In der Hauptstadt Budapest mit ihrem großen Festbau-Zirkus (s. auch unten) und einer renommierten Artistenschule werden in letzter Zeit vorwiegend zeitgenössische Produktionen geboten bzw. Programme mit übergreifendem thematischen Bogen, die neben Artistik teilweise andere Künste wie Schauspiel, Tanz, Eiskunstlauf oder Puppenspiel vereinen. Diese neueren Konzepte schließen Tier-dressuren nicht grundsätzlich aus - anders als der in Westeuropa und Kanada völlig eigene Wege beschreitende Nouveau Cirque (s. die Einträge unter den entsprechenden Ländern). Der andere Strang der ungarischen Zirkuskunst ist der traditionelle Zirkus, der in den großen Zeltzirkussen des Landes weiterhin auf z.T. hohem Nivau gepflegt wird, wobei auch dort neue Trends aus Westeuropa einfließen (z.B. Motorrad-kugel). Dabei buhlen die Unternehmen zunehmend um Touristen und scharen sich deshalb im Sommer rund um den Balaton (Plattensee), die beliebteste Urlaubsregion des Landes. Die dortige Häufung von Zirkussen wird langsam zum Problem, da man sich gegenseitig um Besucher bringt. Unter den dort präsenten Zirkussen waren in den letzten Jahren mehrere, die nur eine Saison durchhielten. - Wir haben hier die angestammten und konstanteren großen Zirkusse verlinkt, die in jedem Fall zu empfehlen sind. 


Fövárosi Nagycirkusz

(deutsch: Großer Hauptstadtcircus; Budapest) Fövárosi Nagycirkusz)

Der Zirkusbau in Budapest wirbt in seinem Logo mit einer Tradition seit 1889. Das heutige Gebäude - in einem großen Freizeitpark relativ zentral gelegen - wurde 1971 anstelle eines älteren Baus eröffnet. Äußerlich trägt das Gebäude den wenig ästhetischen Charme aus der Zeit des Sozialismus, ist aber so gesehen ein wichtiges Baudenkmal und atmet laut Insidern einen Glanz vergangener Zeiten. Die technische Ausstattung ist voll auf der Höhe der Zeit. Die Leitung liegt derzeit bei Peter Fekete. Hier werden Zirkusshows von sehr unterschiedlichem Charakter geboten, die bisher von Circus unter Wasser über Eisshows bis hin zu Märchenerzählungen mit integrierten Schauspiel-, Tanz- und Puppenelementen reichten. So wechseln sich meist ganzjährig verschiedene Produktionen ab. Alle 2 Jahre wird hier im Januar auch ein großes Zirkusfestival veranstaltet (s. Seite mit Festivals), das nach Monte-Carlo zu den ältesten und immer noch größten der Welt gehört. Informationen über das Festival gibt die hier verlinkte Webseite des Hauptstadtcircus bekannt.


Magyar Nemzeti Cirkusz

(deutsch: Ungarischer Nationalcircus)

Der Zirkus, der als Ungarns Nationalcircus firmiert, wird von der international bekannten und staatlicherseits hochgeschätzten Familie József Richter geführt, die in verschiedenen Generationen mehrfach den Silbernen und Goldenen Clown beim Circusfestival in Monte-Carlo gewann, vor allem für ihre hochwertigen Pferde- und Reitdarbietungen. Den Ungarischen Nationalcircus gründeten József und Carola Richter (geb. Renz) 1995. Man bietet klassischen Circus, der zumindest in der Vergangenheit sehr schön dekoriert und von qualitätsvoller ungarischer Livemusik begleitet war. Nach wie vor spielt ein gutes Orchester und werden Traditions-nummern  in Trachtenkostümen gepflegt, jedoch haben auch moderne Trends wie Motorrad-Stunts u.a. Darbietungen Einzug erhalten. Zu den Familiennummern, deren Höhepunkt traditionell die weltbekannte Jockey-Reitertruppe (inzwischen unter der Leitung von József Richter Jr.) bildet, werden einige international renommierte Artisten hinzuengagiert. Die klassischen Programme zeigen einen hohen Anteil an Tierdressuren. Durch die Heirat von József Richter Jr. mit der deutschen Zirkusfrau Merrylu Casselly ist 2017 eine Verquickung beider Zirkusfamilien entstanden. Ob die ganze Familie Casselly (ebenfalls Goldgewinner in Monte-Carlo, mit Pferden und Elefanten) für längere Zeit beim Ungarischen Nationalcircus bleibt, ist abzuwarten. - Wie alle Zeltzirkusse, so gastiert auch der Ungarische Nationalcircus im Juli/August am Plattensee (Balaton), wo man für die dort ansässigen Urlauber spielt. 


Richter Flórián Cirkusz

(deutsch: Circus Florian Richter)

Die Familie Flórián Richter aus der renommierten ungarischen Zirkusfamilie (s. auch National-Circus, unten) hat sich Mitte der 2010er-Jahre vom Unternehmen der Eltern und des Bruders gelöst und einen eigenen Reisezirkus gegründet, der in den Händen des versierten Pferdefachmanns  Florian Richter nach wie vor hochwertige Pferdedressuren - teils kombiniert mit artistischen Kunststücken - bietet und somit die klassische Zirkus-Tradition am Laufen hält. Zu diversen Familiennummern werden internationale Artisten hinzuengagiert, darunter auch neue "westliche" Trendnummern wie Motorrad-Stunts oder Lasershow. Von Live-Musik ist mir derzeit nichts bekannt, wobei man vermutlich ein Orchester mitführt. Wie die übrigen Zeltzirkusse, so gastiert auch der Circus Florian Richter im Sommer mehrere Wochen am Balaton (Plattensee). - Die Webseite ist derzeit nur eine Vorschauseite, die über einen Link auf die Facebook-Domain verweist.