Der Private (Drama 2008)
DarstellerInnen:  Tom Lammerich, Rolf E. Schenker, Bruno Bachem, Petra Dettloff, Nadja Grotefendt, Eva-Christina Langer, Cornelia Moti, Julia Schatz, Eva Lunkova-Dörrie, Franz Breit, José Daporta, Ulrich Raatz, Jürgen Isenbart sowie weitere Nebenrollen, Sprecher- und Statistenrollen.
Kamera, Schnitt:  Stefan Brosch
Musik:  Frieder Hentzelt, Lothar Palmer, "Trio Project", DJ Techmixx, Rolf Kürschner
Drehbuch, Idee: David Schreiber, Stefan Brosch
Regie: David Schreiber
Laufzeit: 60 Minuten
(von uns empfohlene FSK: ab 16)
Handlung
Victor Albrich ist ein junger Mann, der als Clown in Zirkussen und Varietés bekannt werden will. Ein großer Durchbruch ist aber noch nicht in Sicht und die Auftritte in kleinen Stadtteiltheatern bringen nicht viel Geld. Victor arbeitet auch als Callboy. Der Gedanke, seinen Körper zu verkaufen, hat ihn anfangs gereizt. Zunehmend jedoch bedrücken ihn die unangenehmen Erlebnisse, die mit dem Job einhergehen. Der Besuch bei einem alten Zirkusclown scheint ihm neue Perspektiven zu eröffnen. Dann ereignen sich dramatische Dinge…
Trailer
Information
Unser dritter Film lebt vom Kontrast zweier Welten, in und zwischen denen sich die Hauptfigur, ein junger Mann namens Victor, bewegt. Zum einen ist dies die Welt des Zirkus und Varietés mit ihrem (äußerlichen) Zauber, zum anderen das Sexgewerbe mit einigen seiner unzähligen Facetten. Victor trägt verschiedene Namen: "Zambalino" heißt er als Clown, "Sascha" als Callboy. Doch wer ist dieser Victor wirklich? Das bleibt weitgehend offen. Mit dem Zirkus als Victors großem Traum brachte Regisseur David Schreiber eine eigene Leidenschaft hinein - als positive, hoffnungsvolle Seite in Victors Leben. Doch die Zirkuswelt birgt ja hinter ihrem Glanz noch eine zweite, karge Wirklichkeit. Victor trägt in beiden Welten Masken; er ist im Grunde einsam, auf der Suche. Theologisch betrachtet ließe sich sagen: Victor will sich aus seiner sündhaften Verstrickung befreien, hat aber (noch) nicht das rechte Mittel dazu gefunden - den Glauben. Dazu passt, dass der Film noch vor dem aufgefrischten Bekenntnis des Regisseurs zum christlichen Glauben entstand.
Viele Menschen assoziieren übrigens mit dem Wort 'Callboy' den charmanten, dandyhaften Damen-Beglücker, wie man ihn zuweilen aus Fernsehfilmen kennt. In Wahrheit ist das Sexgewerbe von Abgründen geprägt, und etwa 90% aller Callboys verdienen ihr Geld mit homosexuellen Kontakten (unabhängig von der eigenen sexuellen Orientierung). Beides haben wir in unserem Film in einigen teils expliziten Sexszenen abgebildet (deshalb die Empfehlung ab 16 J.), die nicht voyeuristisch verstanden werden sollen, sondern als erschütternde Beispiele einer re-inszenierten Wirklichkeit. Beim gekauften Sex verkommt selbst die Suche nach Gefühlserfüllung, die manchmal dahinter steht, leicht zur Reduzierung auf Fetische oder zu kalter 'Porno-Staffage' - wenn nicht von vornherein intime Machtgelüste die Triebfeder dafür sind.

Hauptdarsteller Tom Lammerich

Die mit Abstand größte Rolle in Der Private spielt der damals 19-jährige Tom Lammerich, der bis dato etwas privaten Schauspielunterricht absolviert hatte und erste Theater- und Hörfunkerfahrungen mitbrachte. In der Titelrolle unseres Films konnte er sein schauspielerisches Talent unter Beweis stellen. Seine berufliche Laufbahn hat er anschlie- ßend in einem anderen Bereich fortgesetzt. Noch im Nachhinein haben wir großen Respekt für seinen Mut in dieser Rolle.


Die Dreharbeiten zu dem aufwendigen Film fanden an diversen Orten in und außerhalb von Hamburg statt. Besonders froh waren wir über die Drehgenehmigungen im Circusmuseum in Preetz und im Royal-Theater am Holstenwall, die beide inzwischen nicht mehr existieren. Die Drehtage an beiden Orten wurden von dortigen Mitarbeitern zeitintensiv begleitet. Auch die Kulturbühne in der ehemaligen Bugenhagenkirche in Barmbek, in deren Garderobe wir eine Szene drehten, wird mittlerweile nicht mehr als solche genutzt. Familie Martins hat uns einen Tag lang ihre Kneipe im Portugiesenviertel für Dreharbeiten zur Verfügung gestellt. Der Künstler Carsten Eggers gestattete uns Aufnahmen in seinem Atelier in Nottensdorf bei Buxtehude. Kulissen bildeten ferner das Studio-Kino in St. Pauli und das private Mini-Kino von Gerhard Plambeck in Tostedt-Land (zu Wistedt). Sehr gefreut haben wir uns über Drehgenehmigungen des Niederländischen Nationalcircus Herman Renz und des norddeutschen Familiencircus Europa (Fam. Bill Frank). Außerdem dienten als Schauplätze für Filmszenen verschiedene private Wohnungen und Häuser in Hamburg, deren BewohnerInnen wir an dieser Stelle noch einmal unseren herzlichsten Dank aussprechen. Ihre Namen finden sich bei den Danksagungen im Filmabspann.

Bilder v. l. n. r.: Stefan Brosch und Tom Lammerich am Set in einer Privatwohnung. - Dreharbeiten im ehemaligen Circusmuseum in Preetz. - In der Wohnung unseres Zahnarztes. - Regisseur und Hauptdarsteller im Gespräch.


Große Unterstützung bekamen wir von Ulrich Raatz, einem Experten für visuelle Kommunikation, der uns nicht zum ersten Mal Filmkameras und Beleuchtungstechnik zur Verfügung stellte. Die Theaterszenen und der Abspann wurden von einer kleinen Jazz-Formation aus Düsseldorf musikalisch vertont, die nur für bestimmte Events zusammenkam und daher keinen Namen hatte; wir haben sie „Trio Project“ genannt. Der Technosound in der Partyszene stammt von DJ Techmixx aus Berlin und wurde eigens für die Filmszene kreiert. Rolf Kürschner spielte das Trompetensolo für den Clown Alfons. Frieder Hentzelt und Lothar Palmer haben schließlich den Orchestersoundtrack komponiert und zusammengesetzt. Dabei hat Lothar mit seinem musikalischen Gesamtkonzept einen verbindenden Bogen zwischen den einzelnen Musiken des Films geschlagen.
Die beiden Clownnummern im Film hat David Schreiber entworfen und choreographiert. Er wurde dabei fachmännisch beraten von den Profi-Clowns Katrin Schussmann und Patricio Aguilar. Für die Umsetzung der Messerwerferszene war der Hamburger Akrobat und Messerwerfer Falko Barwisch  verantwortlich. Die Berufsschauspielerin Heidi Klein gab das mutige Model auf der Wurfscheibe und sprach außerdem einen Radiotext im Film. Constanze Marienfeld, ebenfalls eine Berufsschauspielerin aus Hamburg, synchronisierte zwei Filmszenen, die aus verschiedenen Gründen nachvertont werden mussten. Das Coverbild der DVD wurde ebenso wie die Filmplakate und Flyer vom Grafikdesigner Alvaro Barros-Lopez entworfen.



Bilder oben: Dreharbeiten auf der Bühne des früheren Royal-Theaters.

Unten links: In der Kneipe O Cantinho do Antonio im Portugiesenviertel.

Unten rechts: Victor (Tom Lammerich) in "seinem" Zimmer".

Bruno Bachem und Eva Lunkova-Dörrie

in einer Orgienszene


Besonderer Dank geht an dieser Stelle auch an die zahlreichen HelferInnen am Set, die uns mit dem Ausstatten der Drehorte, dem Halten der Mikrofone, der Klappe, der Lampen und Scheinwerfer, beim Zubereiten von Verpflegung, mit Fahrdiensten usw. geholfen und dafür einen großen Teil ihrer Freizeit geopfert haben. Neben einer professionellen Maskenbildnerin war Barbara Weis für einen Großteil der Masken und passgenauen Frisuren im Einsatz. Ohne die Unterstützung all dieser Menschen wäre der Film nicht zustande gekommen.

Der Private wurde auf Mini-DV und Digital-8 gedreht.  Nach Abschluss der Dreharbeiten wurde der Film an unserem PC geschnitten. Zum ersten Mal haben wir Geld bei der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein beantragt; es wurden uns leider keine Mittel bewilligt. Alle SchauspielerInnen, KünstlerInnen und HelferInnen wirkten ohne Gagen mit.

Am 06. April 2008 wurde Der Private um 15 Uhr im Rahmen einer feierlichen Premiere im 3001 Kino im Hamburger Schanzenviertel uraufgeführt. Die Nachfrage war so groß, dass in der zweiten Vorstellung um 17 Uhr noch mehr als die Hälfte der Plätze besetzt waren. Insgesamt kamen etwa 170 Zuschauer. Im Anschluss an die Premiere wurde der Film beim Hamburger Bürgerkanal Tide TV eingereicht und dort mehrfach ausgestrahlt. Auch konnten wir ihn bei verschiedenen Anlässen im Rahmen halböffentlicher Aufführungen einem interessierten Publikum präsentieren. Eine neue Schnittfassung feierte 2012 im B-Movie in St. Pauli ihre Kino-Premiere. Danach wurde der Film dann noch einmal überarbeitet. Diese endgültige Fassung ist bei uns auf DVD käuflich erhältlich.


Mitwirkende BerufsschauspielerInnen

Im Film spielen talentierte LaiendarstellerInnen neben gelernten BerufsschauspielerInnen. Diese Kombination hat sich in unseren Projekten wiederholt als sehr erfolgreich erwiesen. Wir möchten keine Wertung zwischen Profis und Laien vornehmen; zur Wiedererkennung sind hier aber die Profis mit Bild und Namen vorgestellt, weil sie teilweise auf Hamburger Bühnen und an anderen Orten zu sehen sind. Nadja Grotefendt hat uns leider kein Foto zur Verfügung gestellt.

Bruno Bachem

Constanze Marienfeld
(Synchronstimme)

Eva-Christina Langer

Franz Breit leitet auch in Wirklichkeit ein Theater


Heidi Klein

Julia Schatz

Petra Dettloff († 2009)

Rolf E Schenker